Wie öffnen Sie die Quelle Ihres Erfolgs?

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Wahrlich, ich sage euch,

wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder,

so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!

MATTHÄUS 18,3

Der Unternehmer in Ihnen ist ein Kind. Es spricht einiges dafür, dass Sie Ihre Berufswahl - bewusst oder unbewusst - getroffen haben, als Sie noch ein Kind waren. Die meisten Architekten, denen ich bisher begegnet bin, haben in ihren frühen Jahren eine seelische Verletzung erfahren und oft beschließen sie durch ihre Arbeit die Wunde zu heilen, die ihnen zugefügt wurde. Der Ursprung ihrer Mission ist ihnen aber meistens nicht bewusst.

Das Kind, das Sie einmal waren, wohnt als inneres Bild in Ihnen und es stellt sich die Frage, ob Sie diesem inneren Kind die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient. Wenn es Ihnen heute schwerfällt, Ihre unternehmerische Mission zu erkennen, so könnte es daran liegen, dass Ihnen nicht mehr in allen Einzelheiten bewusst ist, welcher Weg hinter Ihnen liegt. Möglicherweise waren Sie in Ihren jungen Jahren gezwungen, sich an die Erwartungen Ihrer Umgebung anzupassen. Vielleicht war es Ihnen nicht möglich, das Kind zu sein, das Sie gerne gewesen wären. Sie haben gelernt, die Erwartungen Ihrer Umgebung zu bedienen und bei dieser großartigen Anpassungsleistung haben Sie den Kontakt zu sich selbst verloren. Wenn ich einen Architekten nach seiner unternehmerischen Mission frage, können die wenigsten diese Frage beantworten.

Vielleicht haben auch Sie gelernt, der Stimme Ihres Herzens zu misstrauen. Das Kind in Ihnen ist verletzt, weil seine Einmaligkeit nicht erwünscht war. Ich bin nicht gut genug. Es hat sich in sich selbst zurückgezogen, denn es hat Angst erneut verletzt zu werden.

Steve Jobs, der Gründer von Apple hat Zeit seines Lebens darunter gelitten, dass er seinem leiblichen Vater nie begegnet ist. Seine Eltern hatten ihn zur Adoption frei gegeben. Ich bin nicht gut genug. Sein unternehmerisches Genie hat den privaten Steve Jobs nicht davor bewahrt den Weg des Leidens zu verfolgen. Genie entsteht oft aus einer großen Wunde. Und anstatt unsere seelischen Wunden zu heilen, verletzen wir sie immer wieder mit einer zutiefst selbstzerstörerischen Überzeugung. Ich bin nicht gut genug. Anstatt sich seine Verletzung einzugestehen hat Steve Jobs seinen seelischen Schmerz kompensiert. Er war überzeugt ein Auserwählter zu sein. Er fühlte sich dazu berufen, die Welt zu verändern und er glaubte, es sei ihm deshalb erlaubt, die Menschen seiner Umgebung zu terrorisieren. Beides ist ihm mit großem Erfolg gelungen. Jobs gilt als einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit und manche gehen gar so weit, ihn den Leonardo des 20. Jahrhunderts zu nennen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Steve Jobs im Restaurant seines Vaters zu Gast war und dass es weder dem Vater noch dem Sohn bewusst war, wen sie vor sich hatten. Als seine Schwester den leiblichen Vater ausfindig gemacht hatte, verweigerte sich der Sohn einem Wiedersehen. Die Anmaßung sich über seinen leiblichen Vater zu erheben hat eine tiefe Spaltung seiner Persönlichkeit bewirkt. Während der öffentliche Steve Jobs epochemachende Erfolge feierte, hat sich der private Steve Jobs immer mehr in einem Feld krankhafter Realitätsverzerrung verloren. Viele, die ihn kannten, haben sein unternehmerisches Genie verehrt und sie haben ihn gleichzeitig für seinen ungezügelten Egoismus gehasst. Im Alter von 56 Jahren ist er an Krebs gestorben.

Wenn der Ursprung Ihrer unternehmerischen Mission eine seelische Verletzung ist, dann haben Sie wahrscheinlich eine natürliche Abneigung dagegen, dorthin zurückzukehren. Das ist verständlich. Die größte Herausforderung, die vor Ihnen liegt, besteht darin, diese Abneigung zu überwinden.

Das Kind, das Sie einmal waren, trägt einen Traum in seinem Herzen. Das Kind in Ihnen ist genial. Es schäumt über vor schöpferischer Energie und es will spielend die Welt erobern. Es verfügt über eine natürliche Weisheit, die den meisten Erwachsenen abhanden gekommen ist und die Stimme seines Herzens ist die einzige Autorität, der es vertraut.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, die zum Erfolg führen. Der Weg der Liebe führt durch Kooperation zum Erfolg. Der Weg der Angst führt auf Kosten anderer zu einem Erfolg. Für letzteren ist in der Regel ein hoher Preis zu zahlen. Ihre Integrität und Ihre Gesundheit stehen auf dem Spiel. Wenn Sie ein erfolgreicher Unternehmer und ein glücklicher Mensch sein wollen, sind Sie gefordert, sich Ihrer Angst zu stellen um die überwältigende Erfahrung zu machen, dass Sie sehr wohl gut genug sind.

Indem Sie sich an die ungeliebten Erfahrungen Ihrer Kindheit und Jugend erinnern, werden Sie wieder für die große Sache empfänglich, die Sie in Ihrem Herzen tragen. Indem Sie sich auf Ihren Traum besinnen, entdecken Sie den Sinn Ihres Lebens. Indem Sie sich daran erinnern, wer Sie in Ihrer Kindheit waren, öffnen Sie die Quelle Ihres Erfolgs. Wenn Sie Ihren Weg mit Liebe gehen, wird er Sie früher oder später in die Position des Marktführers führen.

Die gegenseitige Wechselwirkung zwischen persönlicher Integrität und äußerem Reichtum wird praktisch in allen Geschichten der Menschheit besungen. Bei der Struktur der Heldenreise scheint es sich um ein kosmisches Gesetz zu handeln, das die Einheit von innerem und äußerem Reichtum beschreibt.

Parzival wandelt sich von einem unwissenden Muttersöhnchen im Narrenkleid zu einem edlen Ritter, der schließlich seinen Platz als Gralskönig einnimmt. Wolfram von Eschenbach stellt den Gral wie ein Tischleindeckdich dar, das Speisen und Getränke im Überfluss hervorbringt, sobald der Held die Prüfung seines Lebens bestanden hat. Diese Prüfung besteht darin, dass Parzival den siechen König Anfortas von seinem Leid befreit, indem er die erlösende Frage ausspricht. Oheim, was wirret Dir? - Was fehlt Euch, mein König?

 

Indem Parzival zu dieser einen Frage vordringt, erlöst der Held den kranken Mann von seinem Leid und er erlöst sich selbst von seiner kindlichen Unbewusstheit. Die Evolution seiner eigenen Persönlichkeit führt den Helden zu seinem Mitgefühl. Parzival findet zu seiner Liebe. Das Vermögen des inneren Erlebens ist das Ziel der Schatzsuche, das wie durch ein Wunder auch in der äußeren Welt zu materieller Fülle führt.

Indem wir unsere eigene Wahrheit finden, bewirken wir unsere Transformation. Doch die eigene Wahrheit befindet sich meistens hinter einer verbotenen Tür. Die Wahrnehmung der eigenen Person scheint ein Tabu zu berühren, weil die Beschäftigung mit sich selbst als egoistisch gilt. Die Buchtitel der Schweizer Psychoanalytikerin Alice Miller illustrieren diese Einschätzung in aller Deutlichkeit: Du sollst nicht merken (1981), Am Anfang war Erziehung (1980), Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst (1979).

Anpassung wird in unseren Schulen und Universitäten nach wie vor belohnt und unsere Pädagogik hat bis heute noch kein Instrumentarium etabliert, das die eigene Kreativität und Beziehungsfähigkeit fördert, - von Unternehmertum ganz zu schweigen. Die meisten von uns haben gelernt, die Beschäftigung mit sich selbst sei eigennützig und daher verwerflich. In Wahrheit ist es so, dass Sie offener für andere werden, je besser Sie sich selbst kennen. Wenn Sie den roten Faden Ihrer Geschichte entdecken wollen, müssen Sie das Bild, das Sie sich von sich selbst gemacht haben, aufgeben. Wenn Sie zu Ihrer eigenen Wahrheit vordringen wollen, öffnen Sie die verbotene Tür.

Letztlich sind wir hier,

weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.

Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet,

ist er auf der Flucht.

Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben,

gibt es keine Geborgenheit.

Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden,

kann er weder sich selbst noch andere erkennen –

er wird allein sein.

HILDEGARD VON BINGEN

Wenn Architekten scheitern, liegt das meistens daran, dass sie sich nicht richtig einschätzen können. Sie neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen oder sich selbst zu überschätzen. Um unsere eigene Einmaligkeit zu entdecken brauchen wir (einen) Dialogpartner. Genau wie wir einen Spiegel brauchen um unser leibliches Abbild zu erkennen, so brauchen wir ein Gegenüber, in dem wir erkennen können, wer wir sind. Aus diesem Grund habe ich die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten ins Leben gerufen.

Die Idee ist einfach. Mitbewerber werden zu Verbündeten. Das Netzwerk besteht aus mehreren Strategiekreisen. Die Mitglieder sind freischaffende Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsplaner. Jede Unternehmerwerkstatt hat mindestens sechs Mitglieder. Wenn mehr als zwölf Mitglieder teilnehmen wollen, wird ein neuer Strategiekreis gegründet. Damit die unmittelbaren Mitbewerber ausgeschlossen bleiben, entscheiden die Mitglieder selbst, wer dazu gehört und wer nicht. Die Mitglieder kommen alle sechs Monate zu einem zweitägigen moderierten Workshop zusammen um gemeinsam ihre Strategieentwicklung, ihre Unternehmensentwicklung und ihre Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben.

Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten. Die erste Veranstaltung hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Die Mitglieder haben sich mutig  auf ihre heikelsten Themen eingelassen und sind einander mit großem Respekt begegnet.

Mir fiel wieder die Szene am Strand ein. Am Ende meiner Architektenlaufbahn war ich nach Lanzarote gereist. Ich saß mit ein paar Bekannten am Strand. Der Himmel war blau und ich spürte den warmen Wind auf meiner Haut. Wir sprachen über Dinge, die uns in unserem Innersten bewegen. Es war ein offenes und ehrliches Gespräch, wie ich es selten zuvor unter Männern erlebt hatte. Ich spürte, dass mein Wort hier etwas galt, dass wir einander zuhörten und dass wir einander verstanden ohne uns gegenseitig verändern zu wollen. Während die anderen redeten, dachte ich im Stillen: So muss sich Arbeit anfühlen! Das war der Moment, in dem die Idee für die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten geboren wurde.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie

Und grün des Lebens goldner Baum.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Das strategische KnowHow, das Sie besitzen, ist die eine Sache – doch der freundschaftliche Dialog mit den anderen Architekten-Kollegen ist der Nährboden, auf dem die Saat aufgeht. Der eigene Büropartner ist nicht immer der geeignete Partner für einen solchen Dialog. Er hat wahrscheinlich denselben blinden Fleck wie Sie selbst.

Die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten funktioniert wie ein Spiegel. Sie profitieren von dem Phänomen, dass man für die Probleme anderer meistens leichter eine Lösung als für die eigenen Probleme findet. Genauso erkennt man die Qualitäten der anderen meistens leichter als die eigenen.

Im Dialog mit anderen Menschen erkennen wir die Grenze zwischen Ich und Nicht-Ich. Der Teil unseres Verhaltens, der von unserer Umgebung akzeptiert wird, wird auch von uns selbst als Teil unseres Selbstbilds integriert und er wird zu einem Teil unseres Ichs. Den anderen Teil unseres Verhaltens, der von unserer Umgebung nicht akzeptiert wird, verbannen wir in das Gefängnis unserer Glaubenssätze. Er lebt hinter einer verbotenen Tür und er wird zu unserem Schatten.

Unglücklicherweise beinhaltet der ungeliebte Teil unserer Persönlichkeit in der Regel all das, was unsere Einmaligkeit ausmacht. Je stärker wir in der Vergangenheit gezwungen waren uns an die Erwartungen unserer Umgebung anzupassen, um so deutlicher vernehmen wir wahrscheinlich später einen inneren Ruf, der uns dazu auffordert, die verbotene Tür zu öffnen. Solange wir von unserer Einmaligkeit abgeschnitten sind, leben wir gefährlich, denn sobald wir versuchen so zu sein wie alle anderen, verstricken wir uns in Konkurrenz.

Die Sehnsucht nach der eigenen Einmaligkeit wird oft mit dem Wunsch verwechselt, jedes Problem alleine lösen zu können. Wie Sie wahrscheinlich aus eigener Erfahrung wissen, entpuppt sich dieser Wunsch mit der Zeit als ein Fluch. Sie finden sich in einem Hamsterrad von stetig wachsenden Anforderungen wieder, Sie werden Ihr eigener Sklave und viele Ihrer Berufskollegen haben nicht die geringste Chance, die Aussichtslosigkeit Ihrer Situation überhaupt nur zu erkennen, weil Sie kein Gegenüber haben, das sie mit ihrer Wahrheit konfrontiert.

Viele Architekten reden sich ihre Situation schön. Manche romantisieren die Einsamkeit, in die sie sich innerlich zurückgezogen haben, mit der Legende vom einsamen Wolf. Sie übersehen dabei die bekannte Tatsache, das Wölfe im Rudel leben und in einem ausbalancierten Sozialsystem zu Hause sind, in dem jedes Mitglied seinen Platz einnimmt.

Kreative Menschen beziehen ihre ganze Kreativität oft aus der inneren Einsamkeit, in die sie sich zurückziehen. Manchmal reicht eine einzige Situation, die das ganze spätere Leben prägt. Vielleicht haben sie Gleichgültigkeit oder Ablehnung statt der erwarteten Anerkennung erfahren, als sie sich einmal in ihrer ganzen Einmaligkeit gezeigt haben. Sie haben ihre Einmaligkeit mit Einsamkeit verwechselt und sie suchen die Einsamkeit immer wieder um ihre Einmaligkeit zu erfahren. Ihr Glück im Unglück liegt darin, dass sich ihre Kreativität in der Einsamkeit ganz glänzend entwickelt. Der Fluch besteht allerdings darin, dass sie ihre Einmaligkeit nicht mehr von ihrer Einsamkeit unterscheiden können.

Wenn Sie Ihre Wahrheit entdecken wollen, müssen Sie einen Preis zahlen. Sie müssen Ihre Komfortzone verlassen. In Ihrer Komfortzone ist nämlich keine Entwicklung möglich. Im Klartext: Sie müssen das Bild, das Sie sich von sich selbst gemacht haben, opfern. Indem Sie sich durch die Augen anderer Menschen betrachten, erkennen Sie sich selbst.

Nach dem Heldenprinzip scheint es ein unumstößliches Gesetz zu geben, das besagt, dass der Held nur durch die Unterstützung seiner Verbündeten in die Lage versetzt wird, die verbotene Tür zu öffnen und zu seiner Einmaligkeit vorzudringen. Das Gelingen einer jeden Heldenreise beruht darauf, dass der Held die Unterstützung anderer Menschen akzeptiert. Sie begleiten ihn, wenn er sich seiner größten Angst stellt. Sie unterstützen ihn die gefährlichsten Prüfungen zu bestehen und sie ermöglichen ihm über sich selbst hinauszuwachsen.

Wenn Sie in Ihrem Leben wirklich etwas ändern wollen, brauchen Sie einen Dialogpartner. Wenn Sie in der Vergangenheit nicht die Menschen gefunden haben, die Sie in Ihrer ganzen Größe, Schönheit und Einmaligkeit gespiegelt haben, so können Sie diese Erfahrung heute nachholen. Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.

Die Mitglieder der Strategiekreise kommen in die Unternehmerwerkstatt, weil sie nirgendwo sonst einen kollegialen Austausch finden, in dem sie sich jenseits von eitler Selbstdarstellung und Konkurrenzgehabe so zeigen können, wie sie wirklich sind. Eine wesentliche Fähigkeit, die wir im Dialog entwickelt haben, ist das aktive Zuhören. Wir lesen zwischen den Zeilen und wir lauschen in das Unausgesprochene hinein. Wir kartieren die weißen Flecken auf unseren mentalen Landkarten. Wir interessieren uns für die aktuellen Probleme eines jeden Einzelnen. Von der Symptomebene aus gehen wir in die Tiefe. Wir finden heraus, was das jeweils zu Grunde liegende Kernproblem ist. Wir vertrauen darauf, dass jedes Problem seine Lösung in sich trägt. Je besser es uns gelingt, den Sinn eines Problems zu verstehen, um so leichter ist es, eine nachhaltige Strategie zu entwickeln.

Jedes Mitglied bekommt eine individuelle Beratung von allen anderen und jeder ist selbst in der Rolle des Beraters für alle anderen. Alle Mitglieder bringen die Bereitschaft mit sich gegenseitig zu unterstützen. Architekten, die normalerweise Konkurrenten sind, werden im Kontext einer Unternehmerwerkstatt zu Verbündeten. Die Kontinuität ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit, denn die Transformation passiert natürlich nicht über Nacht, sondern sie entfaltet sich im Laufe der Zeit.

In Ihrem Beruf gibt es sehr viele Menschen, die nach Anerkennung suchen und für viele Architekten ist die Suche nach Anerkennung oft ein heroischer Kampf. Die Erinnerung an schmerzhafte Erfahrungen wird meistens mit einem Tabu belegt und auf diese Weise in das Unbewusste verdrängt. Während eine bewusste Erinnerung nach Möglichkeit vermieden wird, verdichtet sich die ganze Erfahrung bei den Beteiligten zu einer unbewussten Überzeugung. Ich bin nicht gut genug. Das ist ein Grundmotiv, das in unzähligen Variationen und Geschichten immer wieder auftaucht.

Der Selbstzweifel ist vielen Menschen eigen, die im Beruf des Architekten arbeiten. Er ist die Quelle der Kreativität, die ständig nach Anerkennung sucht und er ist gleichzeitig auch der Ursprung einer Selbstbezogenheit, die von anderen Menschen sehr oft als Arroganz wahrgenommen wird. Wer ständig nach Anerkennung sucht, hat nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse seiner Kunden übrig. Die meisten Architekten interessieren sich viel mehr dafür, ein guter Architekt zu sein. Sie glauben, Sie werden immer mehr Anerkennung erfahren, je besser die architektonische Qualität ihrer Arbeit ist. Aber je stärker sie sich auf die Qualität ihrer Architektur zu konzentrieren, um so weiter entfernen sie sich von der Rolle des Unternehmers. Das Unternehmersein hieße ja, vom egoistischen in einen altruistischen Denkmodus zu wechseln. Wenn Sie im Dilemma des Selbstzweifels gefangen sind, stehen Ihnen drei Wege offen.

Erstens: Der Weg des Egoisten. Sie wollen sich auf Kosten Ihrer Kunden selbst verwirklichen. Sie machen Ihre Geschäfte auf Kosten anderer. Sie interessieren sich nur für Ihren eigenen Nutzen. Wenn Sie diesen Weg konsequent zu Ende gehen wollen, müssen Sie natürlich einen Preis dafür bezahlen. Meistens ist das eine Krankheit oder etwas Schlimmeres. Siehe Daidalos.

Zweitens: Der Weg des Leidens. Sie suchen die Verantwortung für Ihr eigenes Schicksal immer bei anderen. Sie sind ein Opfer des Marktes und Sie wollen gerettet werden. Die anderen haben immer die Schuld. Sie kleiden Ihren Vorwurf in das Gewand der Armut, der Krankheit oder Sie wählen eine Kombination aus beidem.

Drittens: Der Weg des Helden. Sie wissen, dass Sie auf der Welt sind um eine Aufgabe zu erfüllen, die niemand außer Ihnen selbst erledigen kann. Sie wachsen an den Herausforderungen, mit denen das Leben Sie konfrontiert. Sie vertrauen darauf, dass Ihrer Lebensgeschichte eine eigene Logik innewohnt und Sie wissen, dass Sie der Gesellschaft den wertvollsten Dienst erweisen, indem Sie sich in Ihrem Beruf auf das konzentrieren, was Sie am liebsten tun.

Die Mitglieder der Strategiekreise gehen mit den unterschiedlichen Erwartungshaltungen der anderen Mitglieder möglichst absichtslos um. Jeder der da ist, ist für alle anderen ein Spiegel. Unsere Aufgabe besteht darin, dem anderen zu zeigen, wer er ist. Welche Schlüsse er dann jeweils für sich daraus zieht, bleibt ihm selbst überlassen. Es hat sich gezeigt, dass diese Haltung ein gutes Klima für persönliches und unternehmerisches Wachstum schafft. Eine gute Lösung ist meistens sehr einfach.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie man Anerkennung erfahren kann, wenn man seiner eigenen Geschichte nicht selbst mit Anerkennung begegnet. Wie kann man als Architekt erfolgreich sein, wenn man sich selbst nicht mit Liebe begegnet? Für viele Architekten ist das – bewusst oder unbewusst - die eigentliche Frage bei der Suche nach Anerkennung.

Das klingt ziemlich esoterisch und genau das ist es auch. Wenn sie mit einer exoterischen Sicht auf die Welt nicht mehr weiterkommen, ist der Blick nach innen angesagt, denn alle Ereignisse in der Welt haben ihren Ursprung in unseren Gedanken und in unseren Gefühlen. Der Begriff der Esoterik wird meistens in einer eher abwertenden Weise benutzt, weil er durch eine Flut von pseudo-esoterischen Angeboten in Verruf gebracht worden ist. Und gerade in der Business-Welt ist der Esoterik-Einwand meistens ein willkommener Vorwand um einer ehrlichen Selbst-Reflexion aus dem Wege zu gehen.

Die eigenen Schokoladenseiten zu lieben ist einfach. Wenn es aber darum geht, seine ungeliebten Seiten anzuerkennen, laufen wir lieber davon. Unser Ego, das wir gerne verharmlosend als inneren Schweinehund bezeichnen, widersetzt sich standhaft der Transformation der eigenen Persönlichkeit. Das eigene Ego ist der eigentliche Feind.

Man kann lernen, sich selbst zu lieben. Im Business scheint die Liebe aber ein Tabu zu sein. In der Kunst geht es immer um die Liebe. Deswegen machen wir mit der Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten eine Soziale Plastik. Indem wir die Kunst ins Business bringen, bringen wir auch die Liebe ins Business.

Die Soziale Plastik ist ein Begriff, den Joseph Beuys geprägt hat. Beuys hat die Gesamtheit der Gesellschaft als Kunstwerk angesehen und sein Erweiterter Kunstbegriff definiert das menschliche Handeln, das sich zum Wohle der Gesellschaft zur Verfügung stellt als Kunst. Innerhalb dieses gedanklichen Rahmens besteht die Aufgabe der Kunst darin, in allen Bereichen der Gesellschaft veraltete Lebensformen zu transformieren und auf ein höher entwickeltes Niveau zu bringen. Und weil jeder Mensch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken kann und durch sein eigenes Handeln zum Wohle der Gesellschaft beitragen kann, hat Beuys gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die wir kraft unserer Kreativität verwirklichen, sind das, was Beuys eine Soziale Plastik genannt hat.

Unsere Arbeit in den Strategiekreisen basiert auf der Beobachtung, dass jedem unternehmerischen Wachstumsschritt immer ein persönlicher Wachstumsschritt vorangeht. Deshalb steht die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Wir betrachten die eigene Biographie wie eine Heldenreise. Die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz, nach dem Gral oder dem Elixier ist die Suche nach der eigenen Einmaligkeit. Im Business-Deutsch würde man von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen, mit dem sich ein Unternehmer konkurrenzlos positionieren kann. Die eigene Transformation eröffnet einen Zugang in die Welt, der zunächst einmal verschlossen ist. Wer erkannt hat, was das Leben von ihm verlangt und wer sich seiner Herausforderung stellt, der gelangt in den Besitz des sagenhaften Elixiers. Er nimmt einen Platz in der Gesellschaft ein, den kein anderer einnehmen kann. Wer seine Einmaligkeit erkennt, ist konkurrenzlos.

Ich habe mein Architekturstudium zum selben Zeitpunkt begonnen, als Joseph Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf gefeuert wurde. Ich bin ihm leider nie begegnet. Ich habe das Konzept von der Sozialen Plastik erst zu einem Zeitpunkt kennengelernt, als ich es selbst schon praktiziert habe, obwohl mir der Begriff nicht bekannt war. Als ich den Beruf des Architekten aufgegeben habe, hatte ich das Gefühl gescheitert zu sein. Mein Gefühl des Scheiterns ist inzwischen einem Gefühl tiefer Dankbarkeit gewichen, denn auch wenn ich nie eine Kunstakademie besucht habe, genieße ich heute das Privileg jenseits des Kunstmarktes Kunst machen zu dürfen.

Die Kunst, die in den Strategiekreisen entsteht, können sie nicht kaufen. Sie können sie nicht im Museum ausstellen. Es gibt kein Publikum. Der Künstler ist mit dem Sammler identisch. Die Soziale Plastik entsteht in der Erfahrungswelt der Mitglieder. Die Beziehungen und die Prozesse, die sich zwischen den Mitgliedern eines Strategiekreises und ihrer Umwelt entfalten, sind das eigentliche Kunstwerk. Es entsteht im Verborgenen und es entfaltet seine Wirkung im gesellschaftlichen Leben. Wenn es eine transformative Kraft entwickelt, durchdringt es die gesamte Gesellschaft. Wir beraten einander nicht aus der Perspektive der Betriebswirtschaft oder des Marketing, sondern aus dem Geiste der Kunst. Das ist unsere Innovation.

In der Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten geht es um Transformationsprozesse, die sowohl die eigene wie auch die Biographie einer ganzen Gesellschaft zu einer guten Geschichte machen. Es geht darum sich selbst zu entdecken. Es geht uns um die innere Logik der eigenen Geschichte. Deshalb betrachten wir die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es geht um Evolution.

Wenn wir ein neues Mitglied in einem Strategiekreis aufnehmen, machen wir immer eine Vorstellungsrunde, in der jeder der Anwesenden sagt, warum er Mitglied in einem Strategiekreis ist und was er sich von seiner Mitgliedschaft erwartet. Bei einer unserer letzten Veranstaltungen sagte ein Mitglied, das schon seit fünf Jahren dabei ist: Ich bin hier, weil ich hier die Sprache finde. Damit hatte er exakt das zum Ausdruck gebracht, was ich im Sinn hatte, als ich die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten ins Leben gerufen habe. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem sich Architekten über das austauschen können, was sie in ihrem Innersten bewegt – ihre Mission. Wenn Sie auch dazu gehören wollen, nehmen Sie einfach Kontakt auf. Wir freuen und auf Sie.

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich

 

Welche Geschichte erzählt uns die Baukunst? - Über Strategie und Persönlichkeitsentwicklung.

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Volker Eich: Pozzo di S. Patrizio. Orvieto 1985.

Der hartnäckigste Entwicklungsengpass Ihrer Strategieentwicklung ist Ihre Unternehmer-Persönlichkeit. Die Evolution Ihrer Persönlichkeit ist die Bedingung für die Entwicklung Ihres Unternehmens. Was erzählt uns die Baukunst über diesen Zusammenhang? Die Antwort finden wir in Italien.

Im Italienischen gibt es eine Redewendung, Non sono il pozzo di San Patrizio, die wörtlich übersetzt heißt: Ich bin nicht der Brunnen von San Patrizio. Gemeint ist: Ich habe nicht viel Geld. Meine finanziellen Mittel sind begrenzt. Aber was hat der Brunnen mit Reichtum zu tun?

Im deutschen haben wir eine ähnliche Redewendung. Ich bin kein Krösus. Weil das Glück und der sprichwörtliche Reichtum des Königs Kroisos beispielhaft waren, ist sein Name als feststehender Begriff in unsere deutsche Sprache eingegangen. Sein Name ist zu einem Synonym für Reichtum geworden.

Interessant ist bei beiden Redewendungen, dass man sowohl im Deutschen wie im Italienischen ganz schön um die Ecke denken muss, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Es geht um Geld. Es geht um Reichtum. Es geht um Macht. Und es geht um einen Brunnen.

Der Brunnen, den man den Pozzo di San Patrizio nennt, existiert wirklich. Er wurde im Jahre 1527 von dem Architekten Antonio da Sangallo, dem Jüngeren in der umbrischen Stadt Orvieto fertiggestellt. Papst Clemens VII war seinerzeit wegen der Belagerung Roms durch die Truppen Karls V. nach Orvieto geflüchtet. Um die Bevölkerung vor den Konsequenzen einer weiteren Belagerung zu schützen, musste er die Wasserversorgung der hoch auf einem Felsplateau gelegenen Stadt sicherstellen und so ließ er einen Brunnen graben.

Der Brunnen hat eine Tiefe von 58,5 m und einen Durchmesser von 4,7 m. Das Bauwerk verfügt über zwei konzentrische Spiraltreppen, die sich nicht kreuzen. In einer Doppelspirale führt ein Zugangsweg in die Tiefe, wo eine Brücke zum Fuß der zweiten Treppenrampe führt, auf der die Esel mit ihren Wasserlasten wieder nach oben steigen konnten ohne den entgegenkommenden Lasttieren zu begegnen.

Der Name des Brunnens verweist auf den Heiligen St. Patrick, der als katholischer Missionar in Irland wirkte, wo er bis heute als Nationalheiliger verehrt wird. Der Legende nach sollen die Gläubigen dem Missionar eines Tages die Nachfolge verweigert haben. Als ihm im Traum ein Purgatorium in Gestalt einer tiefen Grube offenbart wurde, konnte der Missionar seine religiöse Anziehungskraft wieder herstellen. Was sagt uns diese Legende?

Das Purgatorium, zu Deutsch: Fegefeuer, ist nach der römisch-katholischen Lehre ein Ort beziehungsweise ein Zustand der Läuterung, in dem die Seele eines Verstorbenen auf den Himmel vorbereitet wird. In der neueren Theologie spricht man von einem Reinigungsgeschehen. Die berühmteste literarische Darstellung des Fegefeuers findet sich in der Göttlichen Komödie des Dante Alighieri.

Wenn wir uns von der Vorstellung freimachen, der Zustand der Läuterung sei erst nach dem Tode oder durch den Tod möglich, so verfügen wir mit dem Pozzo di San Patrizio über ein interessantes räumliches Modell eines innerpsychischen Geschehens, das den Himmel auf Erden verheißt. Durch Selbst-Erkenntnis stirbt ein überholtes Selbstbild und durch Ihre innere Wandlung werden Sie als gereifter Mensch ein ums andere Mal wiedergeboren.

Die Doppelhelix des Pozzo di San Patrizio ist ein räumliches Modell, die den Zusammenhang zwischen unserer persönlichen und unserer unternehmerischen Evolution symbolisiert. Während Sie der eine Weg in die Tiefe der inneren Einkehr führt, führt Sie der andere auf den Gipfel Ihres Erfolgs. Beide Wege stehen in einer Abhängigkeit zu einander und sind mit kommunizierenden Röhren vergleichbar, wie wir sie beispielsweise von einer Schlauchwaage kennen. Je tiefer Sie sich in sich selbst versenken, um so mehr öffnet sich Ihr Blick für den Markt.

Auf beiden Wegen betreten Sie möglicherweise Neuland. Während Sie vielleicht manchmal des Gefühl haben, sich im Kreis zu drehen, bewegen Sie sich in Wirklichkeit auf einer Erfolgsspirale nach oben. Je weiter Sie auf dem Weg nach innen voranschreiten, um so größer wird Ihre Reichweite in den Markt hinein. Beide Wege gehören zusammen wie das Einatmen und das Ausatmen.

Im Pozzo di San Patrizio vereinen sich beide Wege in einem gebauten Symbol. Der Abstieg in die Tiefe führt zum Empfang des Lebenselixiers. Es folgt der Wiederaufstieg in die äußere Welt. Wir erkennen in dieser Sequenz den Weg der inneren Wandlung. Auf diesem Weg, der so alt ist wie die Menschheit, geht es darum, die Widersprüche, die wir in uns tragen, mit einander zu versöhnen und Integrität zu erlangen.

Unser gesamtes Leben ist von Gegensätzen geprägt, zwischen denen wir hin und her gerissen sind. Gegensatzpaare sind wie der Plus- und der Minuspol einer Batterie, die wir brauchen, damit unsere Lebensenergie fließen kann. Sobald wir in der Lage sind zu denken, können wir unser Sein nicht mehr in einem Zustand der Ganzheit erfahren. Indem wir die Dinge benennen und voneinander unterscheiden, erschaffen wir eine Welt, die aus Gegensätzen zu bestehen scheint. Dualität ist die conditio humana, die ihren Gipfel in der Verschiedenheit zwischen Menschheit und Gottheit findet.

Wir navigieren ständig zwischen widersprüchlichen Impulsen, von denen wir uns gleichermaßen angezogen und abgestoßen fühlen. Auf der einen Seite haben wir ein Bedürfnis nach Geborgenheit, auf der anderen Seite den Drang nach grenzenloser Freiheit. Wir haben das Bedürfnis, irgendwo dazu gehören zu wollen, und wollen uns gleichzeitig von allen anderen unterscheiden. Einerseits locken Veränderung und Wachstum, andererseits soll alles so bleiben, wie es ist. Wir sehnen uns nach Kreativität und Selbstverwirklichung, aber wir brauchen auch eine ordnende Struktur, die uns das Gefühl von Sicherheit verleiht. Auf der einen Seite wollen wir möglichst alles selbst bestimmen, auf der anderen Seite wollen wir an die Hand genommen werden und wollen wissen, was man von uns erwartet.

Sobald wir einer Seite nachgeben, vernachlässigen wir die andere Seite. Wer sich beispielsweise zu stark von seinem Bedürfnis nach Sicherheit leiten lässt, setzt damit möglicherweise seine eigene Kreativität aufs Spiel und riskiert, sich in einem völlig fremdbestimmten Leben wiederzufinden. Wer sich andererseits in seinen kreativen Impulsen verliert, läuft Gefahr sich zu verzetteln und immer mehr die Kontrolle zu verlieren.

Das ganze Leben ist ein einziger Versuch die gegensätzlichen Pole wieder in Harmonie mit einander zu vereinen. Es kommt also immer auf die Ausgewogenheit der Kräfte an, von denen wir uns angezogen fühlen. Geben wir einer Seite zu sehr nach, steuern wir geradewegs in eine Krise. Gelingt es uns, widersprüchliche Impulse in uns zu versöhnen, erleben wir eine innere Reifung, die mit äußerem Wachstum einhergeht.

In der Kunst werden diese Gegensätze oft symbolisch als Mann und Frau dargestellt. Ob sie nun Adam und Eva heißen oder Romeo und Julia. In Billy Wilder’s Film Some Like It Hot heißen sie Sugar und Joe. Es geht immer darum, dass der eine sich im anderen, im Fremden selbst erkennt. Es geht darum, mit dem jeweils anderen in Resonanz zu sein, mit ihm mitzufühlen und die tiefe Einheit und Verbundenheit aller Wesen der Schöpfung bewusst wahrzunehmen. Wenn wir von einem männlichen oder weiblichen Prinzip reden, geht es darum, die Gegensätze in sich selbst auszubalancieren, die sich komplementär ergänzen.

In der Baukunst findet der Gegensatz zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip seine Entsprechung in der Dualität von Raum und Objekt, die wir gerne als männlich, - in den Raum hineinragend - , oder als weiblich, - umschließend, bergend, behütend - , bezeichnen.

In der Natur stellt sich die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen in der DNS dar. Die Desoxyribonukleinsäure ist der Datenträger, auf der das Erbgut eines jeden Lebewesens gespeichert ist. Sie vereinigt das Erbe der Mutter und des Vaters. Sie vereinigt den Mann mit der Frau. Die DNS hat die Struktur einer Doppelhelix und ähnelt auf verblüffende Weise den Rampen des Pozzo di San Patrizio, der rund 500 Jahre vor der Entdeckung der DNS vollendet wurde.

Der Brunnen ist der Archetyp des Weiblichen schlechthin. Die Grotte, die Höhle, die Vulva ist ebenso das Empfangende wie das Gebärende. Weiblichkeit steht für Fruchtbarkeit. Das einfallende Licht der Sonne bildet dazu den Gegenpol, den wir uns als männlich vorstellen: den erhellenden, klärenden, analytisch ordnenden Geist, die Neugier und die Kreativität. Indem sich der von oben einströmende Leben spendende Regen, in den empfangenden Wasserspiegel des Brunnens ergießt, vollzieht sich die Vereinigung der Gegensätze, die von den Alchimisten als die heilige Hochzeit bezeichnet wurde.

Der Pozzo di San Patrizio verkörpert diesen Akt der Vereinigung. Der Abstieg in die Unterwelt symbolisiert das Eintauchen in das Unbewusste. Wir begeben uns an einen Ort, an dem wir eine Erfahrung machen, in der wir über uns selbst hinaus wachsen. Wir werden mit einer Erkenntnis belohnt, mit der wir uns selbst neu erschaffen. Wir überwinden unsere Wachstumsgrenzen, indem wir erkennen, dass eine Phase unseres Lebens zu Ende geht und dass es Zeit ist, sich neu zu erschaffen.

So wie sich der ganze Bogen des Lebens zwischen der Erfahrung der Geburt und der Erfahrung des Sterbens aufspannt, so erleben wir im Laufe unseres Lebens immer wieder einen Übergang von einer Entwicklungsstufe zur nächsten. Im übertragenen Sinne erleben wir jedesmal eine Wiedergeburt.

Sie mögen diese Vokabel vielleicht ein wenig pathetisch finden. Wenn Sie gegenüber der Vorstellung sich selbst neu zu erschaffen auf Distanz gehen, so mag das daran liegen, dass wir unser Leben zuweilen als einen statischen Zustand erleben, weil wir uns gegen Veränderung sträuben. Veränderung macht Angst, weil wir befürchten, dass wir zu viel von dem aufgeben müssen, was uns vertraut ist und weil wir nicht voraussehen können, was das Neue bringt.

Die eigene Geburt ist wahrscheinlich die beängstigendste Erfahrung im Leben eines jeden Menschen. Die Vertreibung aus dem Paradies des mütterlichen Schoßes ist mit einem Kampf um Leben und Tod verbunden. Die Erfahrung ozeanischer Einheit mit dem gesamten Universum wird gegen die Erfahrung getauscht, sich als nacktes, hilfloses Wesen, blutüberströmt, schreiend und frierend, von der ganzen Welt getrennt auf dem kalten Boden der nackten Tatsachen wieder zu finden. Die gute Nachricht: Das Schlimmste haben wir hinter uns. Jede weitere Erfahrung unseres Lebens hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, uns an die Bedingungen unserer Umgebung anzupassen und gleichzeitig unser eigenes Wesen zu entdecken und in der Welt zu behaupten.

Wenn Sie sich vergegenwärtigen, dass Sie bei Ihrer Geburt ein hilfloses, kleines Wesen waren, das weder sehen noch laufen oder gar sprechen konnte, so wird Ihnen bewusst, dass Sie seitdem eine Vielzahl schwierigster Wachstumsgrenzen erfolgreich gemeistert haben. Das ganze Leben ist ein einziger ununterbrochener Prozess inneren und äußeren Wachstums. Jede Wachstumsgrenze an die Sie stoßen, jede Krise, die Sie erleben, ist eine ganz normale Station auf dem Weg Ihrer persönlichen und unternehmerischen Evolution, die Sie früher oder später überwinden werden. Jede Grenze, die Sie erreichen, ist eine Chance um daran zu wachsen.

Unsere Angst vor Veränderung ist durchaus ein nützlicher Wachstumshelfer, denn sie steuert die Geschwindigkeit des Wachstums, das wir verkraften können. Bevor wir bereit sind, von einer Entwicklungsstufe zur nächsten weiter zu gehen, wollen wir zunächst einmal ganz in den Genuss einer erreichten Stufe gekommen sein. Erst wenn wir ein vorangegangenes Stadium voll ausgekostet haben und an der Erfahrung, die wir gemacht haben, satt geworden sind, sind wir zu einer weiteren Transformation bereit. Damit die Veränderung dann tatsächlich geschehen kann, muss es fast immer zu einer Dissonanz kommen, bei der sich eine neue Welle durchsetzen will, während die alte noch eine Weile um ihren Erhalt ringt. In dieser Übergangsphase fühlen wir uns hin und her gerissen und wir empfinden einen Zwiespalt, in dem wir so lange verharren, bis wir endgültig bereit sind, den nächsten Schritt zu tun. Über dieses Voranschreiten von einer Entwicklungsstufe zur nächsten hat Hermann Hesse gedichtet:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

an keinem wie an einer Heimat hängen,

der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!

Viele Menschen werden sich um die Lebensmitte der Endlichkeit ihres eigenen Lebens bewusst. Bei dem einen geschieht das vielleicht im Alter von 30, beim anderen mit 50 Jahren. Während einem jungen Menschen, das Leben, das noch vor ihm liegt, unendlich lang erscheint, verkürzt sich in der Lebensmitte die Vorstellung von der noch verbleibenden Lebenszeit. Dieses veränderte subjektive Zeiterleben führt dazu, dass man bewusst oder unbewusst sein Leben bilanziert und das Erreichte mit den eigenen Träumen und Lebenszielen vergleicht, die man in seiner Jugend oder als junger Erwachsener hatte. Aus dieser Bilanz kann sich eine handfeste Identitätskrise entwickeln, insbesondere dann, wenn eine solche Reflexion des bisher Erreichten eher unbewusst geschieht. Die meisten Menschen, die in einer solchen Situation die Chance einer bewussten Selbstreflexion ergreifen, gehen aus diesem Lebensabschnitt gestärkt und mit einem Gefühl der inneren Reife hervor.

Wie jede Krise ist auch die so genannte Midlife Crisis, von der hier die Rede ist, dazu da, innezuhalten und das Vergangene zu betrachten um es neu zu bewerten. Sie ist möglicherweise dazu da, Ihre Wunden zu lecken, auszuruhen und neue Kraft zu sammeln. Sie haben die Chance, sich selbst ein bißchen besser kennen zu lernen und sich einmal zu fragen, was Ihnen fehlt. Eine Krise ist dazu da, Unvollendetes zu vollenden, Abschied zu nehmen und manches hinter sich zu lassen. Sie ist dazu da, den bisherigen Kurs zu überprüfen und sich vielleicht eine neue Richtung zu geben. Das Leben ist dazu da herauszufinden, wo zwischen den Ufern der Gegensätze der Fluss des Lebens für Sie am besten fließt.

Der Brunnen ist ein Ort der Wandlung. Thomas Mann greift in seinem Opus Magnum Joseph und seine Brüder auf die biblische Geschichte von Jakobs Lieblingssohn Joseph zurück, der von seinen Brüdern in einen Brunnen geworfen wurde. Und auch Haruki Murakami lässt Toru den Helden seines Romans Mister Aufziehvogel in einen Brunnen hinabsteigen.

Mister Aufziehvogel ist die Geschichte eines sexuell leicht gehemmten Mannes, dessen noch gehemmtere Frau ihn verlässt, weil sie in den Armen eines anderen Mannes ihr sexuelles Verlangen entdeckt hat. Der Brunnen ist der Ort der Erkenntnis, an dem Toru nicht nur den roten Faden seiner eigenen Biographie, sondern auch die Logik der historischen Geschichtsabläufe entdeckt, in die seine eigene Geschichte eingebettet ist.

Nachdem Kumiko ihren Mann verlassen hat, wandert Toru wie Orpheus in die Unterwelt um seine Geliebte zurückzuholen, was ihm aber nicht gelingt. Toru begreift, dass er selbst das Ende seiner Ehe herbeigeführt hat, als er dem Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft zugestimmt hatte, obwohl er das Kind gewollt hat. Kumiko seine Frau, glaubt aber, es gebe etwas Unheilvolles im Blut ihrer Familie, das nicht weitervererbt werden dürfe.

Durch diese Erinnerung gelangt Toru in das Reich der Toten und der Mann, der ihm seine Frau geraubt hat, führt ihn tief in die Geschichte seines eigenen Volkes hinein. Im Brunnen verliert Toru jedes Gefühl für seine physische Existenz und er verwandelt sich in reine Erinnerung. In der Tiefe des Brunnens geht er buchstäblich durch die Wand und gelangt an den Ort, an dem er seiner größten Angst begegnet. Toru entdeckt die Sünden seiner Vorfahren und er findet die Gewalt auch in sich selbst. Indem Toru sich mit seinem Schatten vertraut macht, entzieht er ihm seine dunkle Macht. Indem er seine verdrängten Wahrheiten als wahr anerkennt, verbindet er sich wieder mit seiner schöpferischen Kraft. 

Als ich im Sommer 2009 die Biennale di Venezia besuchte, war ich schon ein paar Tage vor der Eröffnung der Ausstellung in der Stadt und ich nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Abstecher nach Padova, wo ich die berühmten Fresken von Giotto in der Cappella degli Scrovegni sehen wollte. Unterhalb der biblischen Szenen sind auf einer der beiden Längswände die sieben Todsünden und auf der gegenüberliegenden Wand sieben Tugenden als allegorische Personifikationen dargestellt, die sich in Richtung des Jüngsten Gerichts, das über dem Eingangsportal dargestellt ist, aufreihen. Als Besucher der Kapelle steht man genau in der Mitte der sieben Bildpaare, die sich jeweils komplementär ergänzen. Man wird ein lebendiger Teil des Werks und befindet sich in der Idealposition zwischen Gut und Böse.

Drei Tage später sah ich in Venedig den amerikanischen Pavillon der Biennale, der von Bruce Nauman gestaltet worden war. An der Fassade hatte er einen Fries aus sieben Neonschriften angebracht, die wie Reklameleuchten blinkten. Dieser Fries bestand aus zwei sich überlagernden Schichten. Wenn eine Schrift der oberen Schicht erlosch, leuchtete ein Wort der darunter liegenden Schicht auf. Sie ahnen es bereits. Während die eine Schicht die sieben Todsünden bezeichnete, bezeichnete die andere die sieben Tugenden. 700 Jahre nachdem Giotto sein Meisterwerk in Padova vollendet hatte, blinkt mir hier in den Giardini in schreiend buntem Licht die subtile Aufforderung entgegen: Erkenne Dich selbst! 

Wie öffnen Sie die Quelle Ihres Erfolgs?

In meinem nächsten Beitrag lesen Sie die Antwort.

Bis dahin wünsche ich Ihnen frohes Schaffen!

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich      

 

 

 

 

3. Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt zu ihrer 5. Sitzung in Berlin zusammen.

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Volker Eich: Britz. Berlin 2010.

Die 3. Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt von Fr 04 - Sa 05 Mai 2012 zu ihrer 5. Sitzung in BERLIN zusammen. Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Mitgliedern. Es ist noch Plätze frei. Wenn Sie auch dazu gehören möchten, bestellen Sie einfach das vollständige Informationsmaterial:http://www.strategiekreis-architekten.de/

Welche Rolle spielt Ihre Persönlichkeit?

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Volker Eich: Held + Daimon. München 2011.

Wenn Sie alle Artikel in diesem Blog gelesen haben, haben Sie wahrscheinlich die Prinzipien verstanden, auf denen eine gelingende Strategie beruht. Jetzt geht es darum, diese Prinzipien auch erfolgreich anzuwenden. Aber sobald Sie beginnen, Ihr Architekturbüro strategisch zu führen, werden Sie mit dem hartnäckigsten Entwicklungsengpass konfrontiert, der über Erfolg oder Misserfolg Ihres Unternehmens entscheidet.

Der entscheidende Engpass Ihrer Strategie ist Ihre eigene Persönlichkeit.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie

Und grün des Lebens goldner Baum.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Viele Architekten haben die evolutionskonforme Strategie inzwischen kennengelernt. Obwohl sie damit über ein Modell verfügen, das ihnen unternehmerischen Erfolg garantiert, ist in der Praxis leider nicht jeder so erfolgreich mit der EKS, wie es theoretisch möglich wäre.

Wie kommt das?

Es gibt Architekten, die wollen alles richtig machen und sie haben trotzdem nicht den Erfolg, den sie sich wünschen. Und dann gibt es diese Kollegen, denen der Erfolg wie ein Schatten an den Fersen klebt, obwohl sie keinen Fehler auslassen. Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, woran das liegt?

Jenseits unserer Kompetenz scheint es noch andere Erfolgsfaktoren zu geben, die oft einen viel größeren Einfluss auf unseren Erfolg haben, als uns lieb ist. Erfolg und Misserfolg sind sehr stark von der eigenen Persönlichkeit abhängig, deren Wirkung wir aber in aller Regel unterschätzen. 

Jede Wachstumsgrenze, an die Sie stoßen, ist eine Chance um Einsichten über sich selbst zu gewinnen. Wenn Sie Ihre Grenzen als Gelegenheit erkennen, daran zu wachsen, so wächst Ihr Unternehmen auch. Solange sich die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit frei entfalten kann, schreitet auch die Evolution Ihres Architekturbüros immer weiter voran. Wenn die Entwicklung Ihres Architekturbüros ins Stocken gerät, dann hat die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit eine Wachstumsgrenze erreicht, die es zu überwinden gilt, denn jedem Wachstumsschritt Ihres Unternehmens geht ein persönlicher Wachstumsschritt voraus.

Während es bei der Entwicklung Ihrer Strategie um Ihren Weg in den Markt geht, begeben Sie sich bei der Entwicklung Ihrer Unternehmerpersönlichkeit an die Quelle Ihres Erfolgs. Mit der Betrachtung Ihrer eigenen Person transzendieren Sie den linearen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, denn das Wachstum Ihres Unternehmens ist nicht allein eine Wirkung dessen, was Sie tun, sondern es ist vielmehr Ausdruck dessen, wer Sie sind.

Solange Sie eine Strategie entwickeln ohne dabei Ihre eigene Person zu reflektieren, bleiben Ihre strategischen Überlegungen graue Theorie. Sobald Sie sich selbst in Ihre Betrachtung einbeziehen, hauchen Sie Ihrer Strategie das Leben ein.

Ihre Persönlichkeit ist die Seele Ihres Architekturbüros und die Geschichte Ihres Unternehmens ist ein Teil Ihrer eigenen Geschichte. In beiden Geschichten ist Ihre eigene Person die Hauptfigur. Das Wachstum Ihres Architekturbüros ist deshalb untrennbar an die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit gebunden.

WAS IST DIE PERSÖNLICHKEIT?

Der Begriff der Persönlichkeit beschreibt die psychologischen Eigenarten eines Individuums in ihrer Gesamtheit. Man spricht auch vom Charakter einer Person. Die Wissenschaft hat bisher circa fünfzig verschiedene Definitionen der Persönlichkeit hervorgebracht. Streng genommen gibt es sie also nicht wirklich. Die Persönlichkeit ist eher ein theoretisches Konzept. Aber eines, das es in sich hat, denn sobald Sie Ihre eigene Person als den Ursprung Ihrer Unternehmensstrategie erkennen, gehen Sie damit an die Quelle Ihres Erfolgs.

Wenn wir überhaupt ein Bewusstsein von der eigenen Persönlichkeit haben, neigen wir meistens dazu, sie als eine statische Realität mit unveränderlichen Charaktereigenschaften anzunehmen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine mehr oder weniger verfestigte Momentaufnahme, die sich in einem fließenden Prozess inneren Wachstums befindet. Für diesen Entwicklungsprozess, der sich in der Wechselwirkung zwischen einer Person und ihrer Umwelt kontinuierlich entfaltet, hat der Schweizer Psychotherapeut C.G. Jung den Begriff der Individuation geprägt. Das lateinische Wort individuare bedeutet: sich unteilbar machen. Der Begriff der Individuation beschreibt also den Weg zur eigenen Ganzheit, hin zu einem einmaligen Individuum.

In der Persönlichkeit eines Menschen ist eine Abfolge von Lernaufgaben angelegt, die es im Laufe des Lebens zu meistern gilt. Das Ziel der persönlichen Entwicklung ist Integrität. Damit ist die Vollständigkeit einer Erfahrungswelt gemeint, die alle Herausforderungen des Lebens bejahend integriert.

Im Individuationsprozess wird ein Mensch zu dem, der er wirklich ist. Denn genau wie sich der Leib von einem hilflosen, kleinen Wesen zu einem vollkommenen Körper entwickelt, so entwickelt sich sein geistig-seelisches Wesen, von der stummen Sprachlosigkeit zu einer komplexen, reifen Persönlichkeit. Wie schon im Samen eines Baumes der Plan des ausgewachsenen Baumes vorhanden ist, so existiert auch in Ihnen ein verborgener Plan, der Sie in Ihrer vollen Größe und in Ihrer ganzen Schönheit und Einmaligkeit zeigt.

Im Verlauf des Individuationsprozesses offenbart sich der verborgene Plan und wir erkennen uns selbst in unseren Wünschen, in unseren Zielen und in unseren Talenten. Der Prozess dient der Bewusstwerdung, um uns selbst als einmaliges Wesen zu erkennen und zu verwirklichen.

Es ist offensichtlich, dass wir zuweilen Charaktereigenschaften an uns selbst bemerken, die unserem persönlichen Wachstum und unserem unternehmerischen Erfolg im Wege stehen und wir fragen uns gelegentlich, wie wir die besagten Eigenschaften am besten überwinden. Dazu muss man zunächst einmal begreifen, wie sie überhaupt entstehen. Einen wertvollen Hinweis finden wir dazu in der jüdischen Überlieferung:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

TALMUD

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass jede Erfahrung, die wir in der Welt machen, nur ein Spiegelbild einer inneren Wirklichkeit ist, erschließt sich die Bedeutung der Persönlichkeit für die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Persönliches und unternehmerisches Wachstum geschieht immer dann, wenn Sie mit Ihrer eigenen Wahrheit im Einklang sind.

 Wann immer Sie eine Situation als problematisch erleben, sind Sie an dieser Stelle mit Ihrer eigenen Wahrheit nicht in Kontakt. Ihre unbewussten Überzeugungen sind der natürliche Feind Ihrer eigenen Wahrheit. Das was Sie als wichtig, als möglich, als erlaubt oder als verboten ansehen, ist Ihnen oft gar nicht bewusst. Trotzdem haben Sie zu diesen Fragen eine Menge angelernter Überzeugungen auf Lager, die Ihnen den Weg zu Ihrer eigenen Wahrheit verstellen.

WIE ENTWICKELT SICH DIE PERSÖNLICHKEIT?

Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie sehen einen Film oder Sie lesen einen Roman, der die Geschichte Ihres Architekturbüros erzählt. Vielleicht denken Sie jetzt, Ihre Geschichte sei viel zu gewöhnlich um erzählt zu werden. Vielleicht ist Ihre Geschichte auch zu langweilig und für einen Film oder einen Roman gibt sie gar nichts her. Möglicherweise ist Ihnen die Vorstellung, dass andere Menschen einen Einblick in Ihr Leben bekommen, sogar ein bisschen peinlich. Oder Sie denken, Ihr Leben müsse eigentlich ganz anders verlaufen um vorzeigbar zu sein. Insgeheim sehnen Sie sich danach, dass die Welt endlich Ihre Einmaligkeit erkennt und würdigt.

Das wäre bereits ein sehr guter Anfang, denn in jeder guten Geschichte gibt es einen Helden, der davon träumt, ein besseres Leben zu führen. Im Verlauf der Geschichte wächst er über sich selbst hinaus. Wir lieben solche Figuren, denn wir alle haben irgendeinen unerfüllten Traum. Und genau dieser Traum ist der Stoff, aus dem eine gute Geschichte entsteht.

Zu Beginn lernen wir den Helden in einer ganz alltäglichen Umgebung kennen. Der Ort, an dem er sich aufhält, die Menschen, mit denen er zu tun hat, seine Kleidung, seine Art zu sprechen, sein Verhalten vermitteln uns eine Ahnung davon, um was für einen Menschen es sich handelt. Er kommt uns irgendwie bekannt vor, wir entdecken bestimmte Dinge an ihm, die uns vertraut sind. Je größer sein Problem ist, um so interessanter finden wir die Figur. Der Typ ist ein bisschen wie wir selbst, wir identifizieren uns mit ihm.

In der zweiten Szene der Geschichte wird die vertraute Welt gestört und irgendein unvorhergesehenes Ereignis bringt die Gewohnheiten unseres Helden vollkommen durcheinander. Denken Sie zum Beispiel noch einmal an Parzival. Sein Vater, der ein edler Ritter war, war im Kampf gefallen. Seine Mutter wollte ihren Sohn vor diesem Schicksal bewahren und hat ihn in seiner Kindheit und Jugend von der Welt der Ritter ferngehalten. Ihren Bediensteten war es sogar bei Strafe verboten auch nur das Wort Ritter auszusprechen. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf und als der junge Parzival eines Tages drei Rittern in glänzenden Rüstungen gegenübersteht, hält er sie für göttliche Wesen aus einer anderen Welt. Der Wunsch ein Ritter zu sein trifft ihn wie ein Blitz und das Abenteuer beginnt.

Jede Gute Geschichte enthält eine solche Erweckungsszene. Der Held erhört einen inneren Ruf oder er wird von einem Moment auf den anderen mit einer Katastrophe konfrontiert, die ihn vor eine große Herausforderung stellt. Natürlich gibt es zunächst eine Menge Einwände, die dagegen sprechen, den Ruf zu erhören. Der Held weigert sich oder er macht eine Phase des Zögerns durch, bevor er dann meistens einem Mentor begegnet, der ihm den Ruf des Abenteuers schmackhaft macht. Der Mentor überzeugt ihn davon, dass er keine andere Wahl hat, als seinem inneren Ruf zu folgen und die Reise des Helden anzutreten.

So oder ähnlich beginnt jede Geschichte. Alle Mythen und Märchen folgen derselben Erzählstruktur. Im ersten Akt lernen wir den Helden kennen, er vernimmt den Ruf des Abenteuers und er weigert sich, die Herausforderung anzunehmen, die das Leben von ihm verlangt. Im zweiten Akt tritt er die Reise an, er besteht gefährliche Prüfungen und er steht schließlich vor einer Herausforderung, die ihn mit seiner größten Angst konfrontiert. Im dritten Akt macht er eine Erfahrung, in der er über sich selbst hinauswächst. Damit bringt er das sagenhafte Elixier in seinen Besitz, das ihm den Erfolg ermöglicht, der ihm bis dahin versagt war. Zum guten Schluss kehrt er gewandelt und gestärkt in seine gewohnte Welt zurück. Als Belohnung gewinnt er meistens das Herz einer Frau. Das sind die klassischen Stationen der Heldenreise.

Die Reise des Helden ist ein Begriff den der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell geprägt hat. In seinem Buch Der Heros in Tausend Gestalten beschreibt er die universale Erzählstruktur der Mythen der Menschheit.

Wir kennen die Reise des Helden nicht nur aus dem Kino, aus dem Theater und aus der Literatur, sondern die Geschichte unseres eigenen Lebens folgt denselben Stationen. Die Mythen der Menschheit sind ja keine erfundenen Geschichten, sondern sie sind das Kondensat jeder nur menschenmöglichen Erfahrung. Filme wie Titanic, Harry Potter oder Der Krieg der Sterne sind deshalb so erfolgreich, weil sie in ihrer Erzählstruktur die archetypischen Erfahrungen des Menschseins zum Ausdruck bringen und damit unsere tiefsten Gefühle berühren.

Campbell macht deutlich, dass Luke Skywalker, Darth Vader und wie sie alle heißen keine erfundenen Gestalten sind, sondern dass wir selbst die Erfahrungen dieser Helden in uns tragen, weil es sich um archetypische Erfahrungen des menschlichen Daseins handelt. König Ödipus ist in jedem Mann genau so lebendig, wie Daidalos und Ikaros in jedem Architekten leben.

Die Reise des Helden ist eine Sequenz von Erfahrungen, die das Ziel der Reifung und persönlicher Integrität verfolgen. Das Personal beinhaltet typischerweise den Helden und seinen Widersacher, den Mentor und die Verbündeten. Was aber bedeutet Reifung? Was bedeutet Integrität? Und was ist dieses sagenhafte Elixier?

Das Elixier ist kein Zaubertrank, der dem Helden übermenschliche Kräfte verleiht, vielmehr ist es die Erfahrung der Heldenreise selbst, die ebendiese Wirkung entfaltet. Die Reise des Helden beschreibt einen Prozess der Transformation, der dem Helden eine neue Macht verleiht. Der Begriff des Helden meint übrigens Menschen beiderlei Geschlechts, er meint Männer ebenso wie Frauen. Er bedeutet einfach: Mensch.

Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Unsere eigene Biographie ist jeweils die jüngste Episode in der Geschichte unserer Familie. Unsere Familiengeschichte ist wiederum ein Teil der Geschichte unseres Volkes und die Geschichte unseres Volkes ist ein Teil der Geschichte der Menschheit. In allen diesen Geschichten geht es um Reifung. Die Helden dieser Geschichten ringen um Erkenntnis und sie streben danach, die nächst höhere Stufe des Bewusstseins zu erreichen. Sie alle befinden sich in einem kontinuierlich voranschreitenden Prozess der Evolution.

Wenn eine Geschichte innerhalb eines Menschenlebens nicht zu einem guten Ende geführt werden kann, haben die nachfolgenden Generationen den Auftrag dieses gute Ende herbeizuführen und wenn wir uns zu einer Sache berufen fühlen, so handelt es sich meistens um einen Auftrag, den wir aus unserem Familiensystem erhalten.

Erinnern sich an Rainer Eich? (siehe: StrategiePortraits) Sein höchster Wert ist die Gerechtigkeit. Erinnern Sie sich an Yasmine Mahmoudieh(siehe: StrategiePortraits) Für sie ist das Reisen das Thema ihres Lebens. Erinnern Sie sich an Eckhard Feddersen(siehe: StrategiePortraits) Er engagiert sich dafür, dass alte und kranke Menschen in einer würdevollen Umgebung leben können.

Wir kennen nicht die tieferen Beweggründe dieser Architekten, aber wir können davon ausgehen, dass alle drei eine Geschichte haben, in deren Verlauf sich Werte herausgebildet haben, denen sie ihr ganzes Leben widmen. Die Reise des Helden ist eine Reise, auf der wir unsere höchsten Werte entdecken. Und manchmal müssen wir kämpfen um sie in die Welt zu bringen.

Die Begegnung mit dem Drachen ist der Höhepunkt einer jeden Heldenreise und sie hat unzählige Erscheinungsformen. In der Star-Wars-Saga erleben wir, wie Luke Skywalker im Duell mit Darth Vader zu einem Kampf um Leben und Tod antritt. In der Geschichte des Daidalos sehen wir die lebenslange Flucht vor der eigenen Schuld, zu der er verdammt ist, weil er sein eigenes Genie nicht annehmen kann und am Ende scheitert. In Ihrer eigenen Welt ringen Sie vielleicht mit den Widrigkeiten eines gesättigten Marktes, der sich als Illusion erweisen wird, sobald Sie die Reise des Helden antreten, in der Sie über sich selbst hinauswachsen.

In jedem Helden gibt es auch einen Daimon. Während der Held seine Herausforderung meistern will, ist der Daimon derjenige, der ihn scheitern lassen will. Unsere dunkle Seite ist uns aber in der Regel nicht bewusst. Wir verbannen sie in die tiefsten Abgründe unserer Seele. Der Daimon führt ein Schattendasein und indem wir unseren Schatten verleugnen, projizieren wir ihn auf unsere Umwelt, wo er uns als lebensgefährliches Ungeheuer entgegentritt.

Das Ziel einer jeden Heldenreise besteht darin, eine Herausforderung zu meistern, die jede bekannte Erfahrung übersteigt. In James Camerons Film Avatar gibt es eine Szene, in der der Held Jake seinen Drachen findet. Er fragt seine Gefährtin Neytiri, woran er ihn erkennen wird und sie antwortet: Er wird versuchen, Dich zu töten. Der Held stellt sich seiner größten Angst und er wächst über sich selbst hinaus. Er muss ein Opfer bringen. Das Bild, das er sich von sich selbst gemacht hat, muss sterben.

Der Daimon hat einen Namen: Angst. Unsere Angst will uns davor bewahren eine ganz bestimmt Erfahrung zu wiederholen, die wir fürchten wie den Tod. Denn so wie wir alle einen Traum in uns tragen, so tragen wir auch alle eine große Wunde in uns, die uns irgendwann einmal in unserem Leben zugefügt worden ist. Aus der Verletzung unserer Seele ist die zentrale Überzeugung entstanden, mit deren Hilfe wir versuchen eine Wiederholung unserer Kränkung zu vermeiden. Ich bin nicht gut genug. Die Angst vor einer neuerlichen Verletzung ist so groß, dass wir die ursprüngliche Verletzung rechtfertigen und sie sozusagen als verdiente Strafe für die eigene Unvollkommenheit hinstellen. Das passiert ganz unbewusst. Ich bin nicht gut genug. Und je tiefer diese Überzeugung in das Unbewusste hinab sinkt, um so zerstörerischer wird die Kraft, die sie entwickelt. Ich bin nicht gut genug. Wir projizieren unsere Überzeugung auf jede Situation, in der wir befürchten erneut verletzt zu werden.

Daidalos, der in der Mythologie des Altertums der größte Baumeister seiner Zeit war, ist die archetypische Verkörperung dieser Angst, denn er war ohne ein Bewusstsein von seinem Genie. Aus Angst von seinem Schüler Thalos überflügelt zu werden, ermordet er ihn. Zum Ausgleich fordert das Schicksal das Leben seines Sohnes Ikaros. Gemeinsam steigen sie zu ihrem Höhenflug auf und der Sohn stürzt in den Tod, weil er der Sonne zu nahe gekommen war. Den Rest seines Lebens verbringt Daidalos auf der Flucht.

Daidalos verkörpert das entfesselte Genie, das nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Das Labyrinth, in dem der Minotaurus, ein Mischwesen, halb Mensch halb Gott, gefangen gehalten wurde, ist sein Meisterwerk. Der Minotaurus war entstanden, weil König Minos, der Daidalos mit dem Bau des Labyrinths beauftragte, die Götter betrogen hatte. Daidalos lässt sich für dessen dunkle Machenschaften einspannen. Er versteht es nicht nur, seine eigene Wahrheit verschwinden zu lassen, er baut sozusagen ein Gefängnis für die Wahrheit. Das Labyrinth ist ein unentwirrbares Lügengebäude. Daidalos geht buchstäblich über Leichen. Er opfert seinen eigenen Sohn.

König Ödipus hat seinen Vater getötet und seine Mutter zur Frau genommen. Der Vatermord ist ein bedeutender Topos auf der Reise des Helden, denn über den eigenen Vater hinaus zu wachsen, ist eine der schwierigsten Grenzen, die es im Leben eines jeden Mannes zu überwinden gilt. George Lucas hat diesen Zusammenhang im Krieg der Sterne eindrucksvoll in Szene gesetzt. Luke Skywalker beendet den tödlichen Kampf mit Darth Vader, indem er im Vater die Liebe zu zum Sohn wieder erweckt. Ödipus war diese Versöhnung nicht vergönnt. Als er seine Wahrheit erkennt, sticht er sich die Augen aus. Er wendet seinen Blick nach innen.

Die Reise des Helden ist ein Weg nach innen. Wir erlangen Integrität, indem wir unsere ungeliebten Seiten annehmen. In dem Maße, in dem wir unseren Daimon bezwingen, zieht sich unser Widersacher zurück. Die Reise des Helden ist eine Entdeckungsreise, in deren Verlauf Sie entdecken, wer Sie wirklich sind.

Der Erfolg Ihrer Strategie hängt nicht allein davon ab, ob Sie das Richtige tun, - der Erfolg Ihrer Strategie hängt vielmehr davon ab, wer Sie sind. Je näher Sie sich selbst kommen, um so deutlicher offenbart sich Ihnen das Bild Ihrer Zukunft und Sie werden einfach in dieses Bild hinein wachsen. Je vertrauter Sie sich selbst sind, um so stärker entfaltet sich die schöpferische Kraft Ihrer Persönlichkeit. Ihre Bereitschaft Ihre eigene Wahrheit zu erkennen wird am Ende reich belohnt werden.

Welche Geschichte erzählt uns die Baukunst über die Rolle Ihrer Persönlichkeit?

Die Antwort lesen Sie in meinem nächsten Beitrag.

Bis dahin wünsche ich Ihnen frohes Schaffen!

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich

Wenn die Seele etwas erfahren möchte,

dann wirft sie ein Bild der Erfahrung vor sich nach außen

und tritt in ihr eigenes Bild ein.

MEISTER ECKHART

 

2. Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt zu ihrer 7. Sitzung in Berlin zusammen.

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Volker Eich. Britz. Berlin 2010.

Die zweite Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt von Do 19 - Sa 21 April 2012 zu ihrer 7. Sitzung in BERLIN zusammen. Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Mitgliedern. Es ist noch Plätze frei. Wenn Sie auch dazu gehören möchten, bestellen Sie einfach das vollständige Informationsmaterial:http://www.strategiekreis-architekten.de/

1. Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt zu ihrer 12. Sitzung in Berlin zusammen.

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Volker Eich: Neue Nationalgalerie. Berlin 2012.

Die erste Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt von Do 01 - Sa 03 März 2012 zu ihrer 12. Sitzung in BERLIN zusammen. Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Mitgliedern. Es ist derzeit ein Platz frei. Wenn Sie auch dazu gehören möchten, bestellen Sie einfach das vollständige Informationsmaterial:http://www.strategiekreis-architekten.de/

Welche Rolle spielt Ihr Qualitätsmanagement?

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Volker Eich: Ohne Titel. Berlin 2012.

Immer mehr freischaffende Architekten haben ein Qualitätsmanagementsystem in ihrem Büro eingeführt, weil sie im Rahmen von öffentlichen Vergabeverfahren den Nachweis der Eignung für die jeweilige Aufgabe erbringen müssen. Die vom Auftraggeber geforderte Sachkenntnis wird durch ein Zertifikat nach ISO 9001 belegt. So weit die Theorie.

Wenn ein Qualitätsmanagementsystem primär die Zertifizierung zum Ziel hat, verkommt es in der Praxis oft genug zu einem mehr oder weniger nutzlosen Instrument. Wenn Architekten überhaupt ein Qualitätsmanagement haben, so reduzieren sie es meistens auf ein operatives Controlling und auf ein Ablagesystem. Solange ein Qualitätsmanagement lediglich die operativen Managementprozesse nicht aber die Prozesse der strategischen Unternehmensführung abbildet, verfehlt es seinen Sinn. Ein solches System nimmt so gut wie keinen Einfluss auf die Qualität Ihrer Unternehmensentwicklung, es ist lästig, es kostet viel Geld und es führt in der Regel nicht zu den gewünschten Akquisitionserfolgen.

Ein Qualitätsmanagement, das primär die Zertifizierung zum Ziel hat, läuft den Grundsätzen einer strategischen Unternehmensführung diametral entgegen. Es bleibt nämlich re-aktiv, es reagiert auf Anforderungen, die von außen an das Unternehmen herangetragen werden, während ein echtes Qualitätsmanagement das ureigenste Anliegen des Unternehmers ist, der die Unternehmensentwicklung pro-aktiv voran treibt.

Sobald ein Architekt gezwungen ist, gegenüber einem öffentlichen Auftraggeber seine Qualifikation unter Beweis zu stellen, entsteht ein Machtgefälle zwischen beiden. Eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe ist dann nicht mehr möglich. Für einen sensiblen Menschen wie Sie ist dieses Ansinnen eine Zumutung, denn Ihre Qualifikation ist über jeden Zweifel erhaben.

Der Versuch, die Eignung eines Architekten zu objektivieren, läuft darauf hinaus, die Beziehung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu objektivieren. Dieser Versuch ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Er hindert die Vertreter des Bauherren daran, persönliche Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen zu übernehmen und er untergräbt das natürliche Vertrauen eines Architekten gegenüber seinem Kunden. In der Praxis ist das Verhältnis zwischen Architekt und den Mitarbeitern seines öffentlichen Auftraggebers oft so tief gestört, dass ein kooperativer Umgang in gegenseitigem Respekt meistens nicht gegeben ist. So kann es vorkommen, dass sich beide Seiten mit einer permanenten Vorwurfshaltung begegnen. Aber der Fehler liegt im System.

Solange ein Qualitätsmanagement-System die unternehmerischen Prozesse nicht abbildet, bleibt der Nutzen einer Zertifizierung zweifelhaft. Ein Qualitätsmanagement-System ist erst dann sinnvoll, wenn es neben den operativen Prozessen auch die strategischen Prozesse wie Strategieentwicklung, Unternehmensentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung abbildet und wenn es als strategisches Gestaltungsinstrument eingesetzt wird, mit dem Sie Ihre Unternehmensentwicklung pro-aktiv vorantreiben. Auf diese Weise können Sie Ihrem Architekturbüro aus eigenem Antrieb einen Expertenstatus verschaffen und sich konkurrenzlos im Markt positionieren. Überzeugender lässt sich der Nachweis Ihrer Qualifikation nicht erbringen.

Ein Qualitätsmanagement, das diesen Namen verdient, geht weit über den von öffentlichen Auftraggebern geforderten Nachweis der Eignung hinaus. Indem Sie die unternehmerischen Prozesse zum Gegenstand Ihres Qualitätsmanagements machen, machen Sie Ihr Architekturbüro zu einer lernenden Organisation. Damit stellen Sie nicht nur die Qualität Ihrer Architektur sicher, sondern Sie verbessern Ihre Positionierung im Markt und damit das Ansehen, das Sie bei Ihren Kunden genießen.

Ihr Unternehmenshandbuch ist das zentrale Werkzeug Ihres Qualitätsmanagements. Es ist das wichtigste Werkzeug, mit dem Sie als Unternehmer-Architekt Ihre tägliche Arbeit erledigen. Es ist das Instrument, mit dem Sie alle Prozesse in Ihrem Unternehmen steuern. Es ist ein virtuelles Modell Ihres Architekturbüros.

Ihr Unternehmenshandbuch ist das Medium, mit dem Sie Ihre Strategie entwickeln. Es ist das Planungsinstrument, mit dem Sie Ihr Architekturbüro zu dem Unternehmen machen, das der Erfüllung Ihrer unternehmerischen Mission dient. Es ist der Katalysator, der Ihre Persönlichkeitsentwicklung mit Ihrer Unternehmensentwicklung synchronisiert und beide zu einem einzigen, lebendigen Prozess macht.

Das wichtigste Ziel der Unternehmensentwicklung besteht darin, das Freiberuflerproblem zu überwinden, die Facharbeit an Ihre Mitarbeiter zu übertragen und Ihr Architekturbüro zu einem Unternehmen zu machen, das unabhängig von Ihrer Person funktioniert.

Bingo!

Wahrscheinlich wird jeder zweite Architekt dieser Auffassung widersprechen. Ich habe in meinem Kundenkreis einmal eine kleine, nicht repräsentative Umfrage zur Frage der Nachhaltigkeit von Unternehmensstrategien bei freischaffenden Architekten durchgeführt. Diese Umfrage bestand aus einer einzigen Frage: Wie attraktiv finden Sie die Vorstellung, dass Ihr Architekturbüro noch in 100 Jahren existiert?

51% der befragten Architekten fanden diese Vorstellung interessant, 49% der Befragten fanden sie uninteressant. Letztere verfahren nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Wichtig sei allein das gebaute Werk, das man als Architekt hinterlasse. Dieses sei nun mal an das eigene Genie gebunden. Das Werk des Architekten sei unlösbar mit der Person des Architekten verbunden. Ein Architekturbüro Le Corbusier sei ja heutzutage eben auch nicht denkbar. Ich bin mein Architekturbüro. Und damit Schluss. L’état c’est moi!

Wie naiv ist das? Hätte Ferdinand Porsche so gedacht, gäbe es heute weder einen Porsche noch einen Volkswagen. Hätte Steve Jobs so gedacht, gäbe es heute keinen Mac, keinen iPod und keinen iTunes-Store, kein iPhone und kein iPad. Hätte Ove Arup so gedacht, wäre Arup heute nicht das größte, das innovativste und das bekannteste Ingenieurbüro der Welt.

Genie ist keineswegs an eine Person gebunden. Die größten Genies haben zu allen Zeiten unisono darauf hingewiesen, dass ihr Genie keineswegs ein persönliches sondern ein überpersönliches Genie sei. Sie empfinden sich selbst nur als Kanal, durch den das kollektive Bewusstsein seine kreative Energie ergießt, um in ihrer Person seinen Ausdruck zu finden. Sie sind auserwählt. Diese Erfahrung verlangt jedoch Demut, denn der tiefere Sinn der eigenen Selbstverwirklichung besteht darin zu dienen. Das eigene Genie ist wertvoll, weil es der Gesellschaft nützt. Und je nützlicher es ist, um so dringender stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit der eigenen unternehmerischen Tätigkeit.

Wie nachhaltig ist Ihre Unternehmensstrategie? Wie glaubwürdig sind Sie, wenn Sie Ihren Kunden nachhaltige Architektur anbieten ohne selbst eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu betreiben? Wäre es nicht schön zu wissen, dass Sie einen Nachfolger finden werden, der Ihr Lebenswerk in Ihrem Sinne fortführt? Wäre es nicht schön, Ihre unternehmerische Tätigkeit in der Gewissheit zu vollenden, dass andere Menschen noch in hundert Jahren in Ihrem Geiste unterwegs sind und ihre Lebenszeit einer Sache widmen, für die Sie den Samen gelegt haben?

Denken Sie bitte noch einmal an Peter und Paul Böhm. (Wie gelingt die Nachfolge in einem Architekturbüro? StrategiePortal: 09 Dezember 2011) Sie stehen in der Tradition Ihres Vaters Gottfried und Ihres Großvaters Dominikus Böhm, die beide bedeutende Baukünstler waren. Denken Sie an Rainer Eich und seine Tochter Anke, die seit vielen Jahren an seiner Seite gearbeitet hat. Gemeinsam haben sie das ehemalige Architekturbüro in die Sozietät HOAI-Spezial umgewandelt. Sie haben sich die Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben und sie haben sich damit als Marktführer positioniert. Der Zukunftswert ihres Unternehmens basiert auf dem konstanten Grundbedürfnis ihrer Kunden. Und das wird in 100 Jahren unverändert existieren.

Nach Vitruv sind die drei Hauptanforderungen an die Architektur: Firmitas, Utilitas, Venustas. Festigkeit, Nützlichkeit und Schönheit sind auch die drei Hauptanforderungen, die ein Architekturbüro erfüllen muss, wenn es ein lebendiges Unternehmen sein soll. Wobei wir uns erlauben, den Begriff der Festigkeit in Bezug auf die Unternehmensstrategie mit Haltbarkeit bzw mit Nachhaltigkeit zu übersetzen.

Ein Architekturbüro zu einem Unternehmen zu machen hat nichts mit seiner Größe zu tun. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Freiberufler das Wachstum seines Architekturbüros von vorne herein begrenzt, weil er die Rolle des Unternehmers nicht besetzt, während der Unternehmer-Architekt seine Arbeitskraft multipliziert, indem er zwischen der Rolle des Unternehmers, des Managers und der Fachkraft unterscheidet. (Warum haben die meisten Architekten keine richtige Strategie? StrategiePortal: 19 Januar 2012)

Als Unternehmer-Architekt überwinden Sie das Freiberuflerproblem, indem Sie die Facharbeit an Ihre Mitarbeiter übertragen. Auf diese Weise machen Sie Ihr Architekturbüro zu einem Unternehmen, das unabhängig von Ihrer Person funktioniert. Indem Sie Ihre eigene Arbeitsleistung multiplizieren, steigern Sie den Wert Ihres Architekturbüros. In Ihrem Unternehmenshandbuch sind nämlich alle Prozesse Ihres Architekturbüros von der Kundengewinnung bis zur Abrechnung, von der Rekrutierung der Mitarbeiter bis zur Entwicklung Ihrer Innovationsleistung beschrieben. Ihr Unternehmenshandbuch ist das Modell Ihres Architekturbüros, an dem Ihr Nachfolger erkennen kann, dass er ein funktionierendes Unternehmen mit einem hohen Zukunftswert erwirbt.

Nehmen Sie zum Beispiel die Marke The Beatles. Seit der Trennung der Band sind inzwischen über vierzig Jahre vergangen und die Marke ist heute eine Organisation mit 5.000 Mitarbeitern. Das Kerngeschäft ist Musik. Zum größten Teil sind es Liebeslieder, die John, Paul, George und Ringo unsterblich gemacht haben. Firmitas, Utilitas, Venustas. Es gibt nichts Nachhaltigeres, nichts Nützlicheres und nichts Schöneres als die Liebe. Was hat das mit Ihrem Architekturbüro zu tun?

Es ist nicht ganz einfach, ein Unternehmen zu entwickeln, wenn Sie nicht mit Liebe bei der Sache sind. Und es ist nicht ganz leicht, ein Unternehmenshandbuch zu schreiben, wenn Sie es nicht mit der gleichen Leidenschaft schreiben, mit der Sie einen Liebesbrief schreiben. Eigentlich ist es gar nicht möglich ein Unternehmensmodell zu entwickeln, solange Sie nicht in jeder Zelle Ihres Körpers spüren, wofür Ihre Seele brennt.

Aber zum Glück sind Sie Architekt. Sie sind neugierig und Sie sind mit der Gabe der Kreativität gesegnet. Das Wunder Ihrer Kreativität entfaltet sich am besten, wenn Sie sich in einen Kontext begeben, der Ihnen vollkommen fremd ist, wenn Sie Neuland betreten und sich mit Dingen beschäftigen, von denen Sie keine Ahnung haben. Betrachten Sie also einmal die Entwicklung Ihres Architekturbüros wie einen Architektenauftrag, bei dem Sie Ihr eigener Kunde sind.

Der Unternehmer arbeitet nicht IM Unternehmen sondern AM Unternehmen.

Wenn wir Gerbers Diktum wörtlich nehmen wollen, so stellen wir uns einmal vor, Sie entwerfen Ihr Architekturbüro genau so wie Sie es gewohnt sind ein Gebäude zu entwerfen. Stellen Sie sich vor, Ihr Architekturbüro befinde sich quasi als verkleinertes Modell vor Ihnen auf dem Tisch und Sie arbeiten daran. Was sehen wir?

Bevor wir überhaupt etwas sehen, brauchen wir eine klare Vorstellung davon, was Ihr Unternehmensmodell eigentlich darstellen soll. Was ist ein Unternehmen? Was ist ein Architekturbüro? Sind es die Büroräume, die Arbeitsplätze, die Computer, Drucker und Kopierer? Sind es Ihre Mitarbeiter, Ihre Sekretärin, Ihre Kunden? Ist es das gebaute Werk? Sind es die Akten, die Pläne, die Modelle, die Mustersammlung? Ist es vielleicht der Firmenwagen, Ihr iPad, Ihr Hochschuldiplom? Sind es Veröffentlichungen, Ihre Website, Ihre Visitenkarte?

Nein. All das sind mehr oder weniger vorübergehende Erscheinungen, welche durch die Existenz Ihres Architekturbüros hervorgerufen werden. Aber wodurch werden sie hervorgerufen? Was bliebe von einem Unternehmen übrig, wenn es beispielsweise durch einen Tsunami, durch einen Krieg oder durch ein Feuer zerstört würde? Was ist der genetische Code Ihres Architekturbüros?

 

Ihre Mission.

 

Ihre Mission ist die Keimzelle, aus der sich Ihre Unternehmensstrategie entwickelt. Sie definiert den Geschäftszweck Ihres Architekturbüros. Sie gibt dem Ganzen einen Sinn. Ihre Geschäftsidee ergibt sich einerseits aus Ihrer Mission und andererseits aus dem Bedarf Ihres Kundenkreises. Ihre Strategie ist die dynamische Steuerung der Prozesse, die der Erfüllung Ihrer unternehmerischen Mission und der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee dienen. Ihr Unternehmensmodell bildet also die Struktur und die Prozesse ab, die dem Unternehmenszweck Ihres Architekturbüros dienen. Aber wie kann ein Modell Prozesse abbilden?

 

Sie brauchen ein dynamisches Modell. Während Sie ein statisches Objekt in Form eines Architekturmodells aus Pappe, Holz oder Plexiglas darstellen können, beschreiben Sie einen dynamischen Prozess am besten durch das geschriebene Wort. Sie erzählen eine Geschichte. Sie schreiben ein Drehbuch. Sie stellen Ihre eigenen Regeln auf. Im Grunde gehen Sie ganz ähnlich vor, als würden Sie ein Bauwerk planen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Gebäude planen?

Wahrscheinlich werden Sie Ihrem Kunden als erstes ein paar Fragen stellen.

Warum wollen Sie bauen?

Wo soll das Gebäude entstehen?

Wann soll es fertig sein?

Was darf es kosten?

Was soll das Gebäude können?

Was soll es zum Ausdruck bringen?

 

Wenn Sie ein Architekturbüro führen wollen, ist es sinnvoll, sich die gleichen Fragen zu stellen.

Warum brauchen Sie ein Architekturbüro?

Was ist der Sinn Ihres Unternehmens jenseits der Architektur?

Was ist Ihre Mission?

 

Wo wollen Sie Ihr Architekturbüro positionieren?

In welchem Geschäftsfeld wollen Sie Ihre Mission erfüllen?

Warum wollen Nicht-Kunden Ihrem Kundenkreis angehören?

 

Was wollen Sie mit Ihrem Architekturbüro zum Ausdruck bringen?

Wofür stehen Sie?

Was ist Ihnen wichtig?

 

Worin liegt der Wert Ihrer Arbeit?

Welche Grenzen möchten Sie überwinden?

Wo wollen Sie neue Maßstäbe setzen?

Was ist Ihre Innovation?

 

Was soll Ihr Architekturbüro können?

Was muss es nicht können?

Was können Sie besser als jeder andere?

Was wollen Sie investieren?

Was darf es kosten?

 

Was sind die konkreten Ziele Ihrer Mission?

Was genau tun Sie, um Ihre unternehmerische Mission zu erfüllen?

Was machen Sie anders als die anderen?

Welche Ressourcen setzen Sie ein?

 

Woran erkennen Sie, dass Ihre Mission erfüllt ist?

Wann wollen Sie fertig sein?

Genau wie ein Gebäude hat auch ein Architekturbüro einen spezifischen Zweck und es hat eine individuelle Gestalt und Größe. Es hat seine eigene Organisation und es hat seine ganz eigene Konstruktion. Es erfüllt bestimmte Funktionen, die vom jeweiligen Geschäftszweck abhängen und es unterhält ganz individuelle Beziehungen zu seiner Umgebung. Auf all diese Parameter können Sie gestaltend einwirken.

So wie Sie die Konstruktion eines Gebäudes planen, so können Sie auch die Struktur und die Organisation Ihres Architekturbüros planen. Und genau so wie Sie definieren, was ein Gebäude können muss, so können Sie auch die Kompetenz Ihres Architekturbüros definieren. Ebenso wie Sie die Funktionen eines Gebäudes organisieren, so können Sie auch die Prozesse, die in Ihrem Architekturbüro ablaufen gestaltend organisieren. Und so wie Sie die Einbindung eines Gebäudes in seine Umgebung gestalten, so können Sie auch die Beziehungen, die Ihr Architekturbüro zu seiner Umgebung unterhält, ganz bewusst gestalten.

Wie schreiben Sie ein Unternehmenshandbuch? Zuerst stellen Sie sich selbst ein paar Fragen. Anschließend schreiben Sie Ihre Antworten auf. Diesen Vorgang wiederholen Sie solange, bis Ihnen Ihre Antworten absolut plausibel erscheinen. Sie müssen sich die Fragen nicht ausdenken. Das Geheimnis Ihrer Kreativität liegt darin, eine fragende Haltung einzunehmen. Das Geheimnis des Schreibens liegt im Zuhören. Lauschen Sie Ihrer inneren Stimme. Sie stellt Ihnen unaufhörlich Fragen. Sie stellt Ihnen unerhörte Fragen.

Warum brauche ich ein Architekturbüro? Was will ich mit den Mitteln der Architektur in der Welt bewirken? Habe ich eher ein künstlerisches oder eher ein soziales Anliegen? Interessiere ich mich für Technik oder mehr für Verwaltung? Sind mir diese Dinge gleichermaßen wichtig oder gibt es Themen, die mir mehr am Herzen liegen als andere? Wofür stehe ich eigentlich? Was ist mir wirklich wichtig? Was mache ich anders als die anderen? Was macht mich einmalig? Was sind die konkreten Ziele meiner Mission? Was will ich am Ende meines Lebens hinterlassen? Wann will ich damit fertig sein?

Lassen Sie sich überraschen, wie viele Fragen Sie zu hören kriegen. Indem Sie Fragen wie diese stellen, erschaffen Sie ein Modell Ihres Unternehmens. Die meisten Architekten haben keine Antworten auf diese Fragen. Das macht überhaupt nichts. Ihre tägliche Unternehmerarbeit besteht nämlich darin, sich diese Fragen zu stellen, sie aufzuschreiben und die Antworten auf die gleiche Weise zu empfangen wie die Fragen.

Vielleicht haben auch Sie bisher die Facharbeit gegenüber Ihren Unternehmeraufgaben bevorzugt, weil sie glauben, die Aufgaben des Unternehmers ließen Ihnen keinen Raum für Ihre Selbstverwirklichung. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Aufgaben des Unternehmer-Architekten geben Ihrer Kreativität so viel Raum wie Sie wollen. Wenn Sie den entscheidenden Schritt vom Architektur-Entwurf zum Business-Design tun, eröffnen Sie den eigentlichen Raum für Ihre Selbstverwirklichung.

Die Entwicklung eines Unternehmens ist durchaus mit dem Planungsprozess eines Gebäudes vergleichbar. Ausgehend von einer groben Idee, werden Ihre Vorstellungen im Laufe des Prozesses immer konkreter und detaillierter. Und genau wie bei einer Gebäudeplanung durchlaufen Sie die Phasen der Entwurfsplanung, der Genehmigungsplanung und der Ausführungsplanung. Die Genehmigungsbehörde ist in diesem Falle der Markt, denn Ihre Zielgruppe entscheidet über den Erfolg Ihrer Geschäftsidee.

Ein gutes Unternehmenshandbuch ist sehr einfach. Es besteht aus drei Teilen.

Mission Statement

Prozesse

Dokumente

In Ihrem Mission Statement beschreiben Sie so kurz und so genau wie möglich den genauen Geschäftszweck Ihres Architekturbüros jenseits der Architektur. Dazu reicht meistens ein einziger Satz. Wenn Sie mehr als drei Sätze dazu brauchen, befragen Sie Ihr Herz so lange, bis es Ihnen gelingt, Ihre Mission in den einfachsten Worten zum Ausdruck zu bringen, die Ihnen möglich sind. Wie würde Ihr Mission Statement aussehen, wenn es in fetten Lettern das Titelblatt der Bild-Zeitung zieren würde? Was würden Sie sich sagen hören, wenn Sie Ihrer 90-jährigen Großmutter erklären, wozu Sie sich berufen fühlen? Wie würden Sie einem 4-jährigen Kind begreiflich machen, was Sie mit Ihrer Arbeit in der Welt bewirken wollen?

Im zweiten Teil Ihres Handbuchs geht es darum, die Prozesse zu beschreiben, mit denen Sie Ihre Mission erfüllen. Die Beschreibung geschieht nicht nach dem Muster eines Rezepts sondern in Form von Regeln. Sie steuern die Prozesse Ihres Architekturbüros, indem Sie die Regeln formulieren, denen die jeweiligen Prozesse folgen. Sie steuern Ihr Schiff, indem Sie Ihre eigenen Regeln aufstellen.

Erinnern Sie sich noch daran, wie Lutz Weisser (StrategiePortrait: 25 Juli 2011) seine Zielgruppe definiert hat: Die Kunden – Flughafengesellschaften- sind in einer Branche zu Hause, die sich seit ihrem Entstehen in einem fortschreitenden Wachstum befindet. Die Kunden vergeben großvolumige und wiederkehrende Bauaufgaben. Weisser hat diese drei Kriterien zu einer Regel erhoben, mit der er seine Kunden identifiziert. Get the idea?

Es geht nicht darum ein kompliziertes Regelwerk zu schaffen, das am Ende im Regal verstaubt, weil es von niemandem benutzt wird. Ihr Unternehmenshandbuch soll auch nicht als Arbeitsanweisung auf den Tischen Ihrer Mitarbeiter liegen, denn Sie wollen Ihr Personal ja nicht dressieren. Der Sinn Ihres Unternehmenshandbuchs liegt darin, in Ihrer Vorstellung ein Modell Ihres Unternehmens zu erschaffen. Das Handbuch ist lediglich Ihr Medium. Das Entwickeln Ihres Handbuchs ist wahrscheinlich wichtiger als das fertige Ergebnis, denn Sie werden vermutlich jede Regel, die Sie formulieren auf der Stelle ausprobieren. Wenn eine Regel nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt, werden Sie diese oder eine andere Regel ändern. Der Weg ist das Ziel.

Am besten unterteilen Sie den zweiten Teil Ihres Unternehmerhandbuchs, in dem Sie die Prozesse Ihres Architekturbüros beschreiben, wiederum in drei Kapitel.

UNTERNEHMERAUFGABEN

MANAGEMENTAUFGABEN

FACHARBEIT

 

Danach unterteilen Sie diese drei Kapitel wiederum in jeweils drei Abschnitte.

 

UNTERNEHMERAUFGABEN

Strategieentwicklung

Unternehmensentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung

 

MANAGEMENTAUFGABEN

Kundengewinnung

Büroorganisation

Personalführung

 

FACHARBEIT

Informationsmanagement

Projektmanagement

Innovation

Auf diese Weise definieren Sie die neun wichtigsten Prozesse in Ihrem Architekturbüro. Wenn Sie möchten, können Sie diese Struktur natürlich immer weiter verfeinern. Aber bedenken Sie bitte, dass auch hier die Gefahr des Verzettelns droht. Ein gutes Unternehmenshandbuch ist einfach. Es kommt nicht darauf an, ein möglichst umfangreiches Werk zu erstellen, sondern es geht darum, einfache Lösungen zu entwickeln, die dem Zweck Ihres Architekturbüros dienen.

Rollen

Aufgaben

Aufgaben

Aufgaben

UNTERNEHMER

 

Strategieentwicklung

Positionierung

Nachfolge

Unternehmensentwicklung

Unternehmensziele

Unternehmensmodell

Persönlichkeitsentwicklung

Heldenreise

Mission

MANAGER

 

Kundenbeziehungen

Kundengewinnung

Anziehungskraft

Büroorganisation

Managementprozesse

Dokumente 

Personalführung

Rekrutierung

Trennung

FACHKRAFT

 

Informationsmanagement

Zielgruppeninformationen

Fachliches Wissen

Projektmanangement

Planungsprozesse

Dokumente 

Innovation

Nutzen

Zugehörigkeit 

 

Das Ziel Ihrer Strategieentwicklung besteht darin, eine Geschäftsidee zu entwickeln, die der Umsetzung Ihrer Mission dient. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie eine greifbare Vision entwickeln, diese Vision in konkrete Unternehmensziele übersetzen und für den jeweils aktuellen Entwicklungsengpass den erforderlichen Minimumfaktor bereitstellen. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihrer Unternehmensentwicklung besteht darin, Ihr Architekturbüro zu einem Unternehmen zu machen, das Ihrer Mission dient. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie konkrete Unternehmensziele definieren und Strukturen und Prozesse erschaffen, mit denen Sie Ihre Unternehmensziele erreichen. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihrer Persönlichkeitsentwicklung besteht darin, die Quelle Ihres Erfolgs zu öffnen. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie in einen Dialog mit einem Coach, mit einem Mentor, mit gleichgesinnten Weggefährten, mit verbündeten Querdenkern eintreten und die Grenzen Ihres eigenen Denkens überwinden. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihrer Kundegewinnung besteht darin, einen Kreis von Kunden zu erschaffen, die Ihrem Kundenkreis angehören wollen. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie Ihre unternehmerischen Aktivitäten auf Kunden und Nicht-Kunden konzentrieren, denen Sie sich auf der Basis gemeinsamer Werte verbunden fühlen und indem Sie in Ihrem Kundenkreis den Wunsch nach Zugehörigkeit erwecken. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihrer Büroorganisation besteht darin, Strukturen und Prozesse zu schaffen, die Ihre unternehmerischen Ziele unterstützen. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie die Rolle des Unternehmers einnehmen, während Sie die Rolle des Managers und der Fachkraft mit Mitarbeitern besetzen. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihrer Personalführung besteht darin, einen Kreis von Mitarbeitern zu erschaffen, die Ihrem Architekturbüro angehören wollen. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie sich auf Mitarbeiter konzentrieren, die Ihre Mission unterstützen. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihres Informationsmanagements besteht darin, bei Ihren Nicht-Kunden den Wunsch nach Zugehörigkeit zu Ihrem Kundenkreis erwecken. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie das Informationsmanagement Ihres Architekturbüros zielgruppenorientiert, dialogisch, proaktiv und empathisch gestalten. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihres Projektmanagements besteht darin, Ihren Kunden den größtmöglichen Nutzen zu bieten. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie das wichtigste Bedürfnis Ihres Kundenkreises befriedigen und sein brennendstes Problem lösen. Dass Sie termin- und kostengerecht planen, ist aus der Sicht Ihrer Kunden eine Selbstverständlichkeit, die keiner besonderen Erwähnung bedarf. Wie lauten Ihre Regeln?

Das Ziel Ihres Innovationsmanagements besteht darin, den am tiefsten empfundenen Wunsch Ihres Kundenkreises zu erfüllen. Sie erreichen dieses Ziel, indem Sie die Bedürfnisse Ihres Kundenkreises kontinuierlich erforschen. Wie lauten Ihre Regeln?

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich

 

4. Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt zu ihrer 2. Sitzung in Köln zusammen.

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Volker Eich: Domfenster. Köln 2007.

Die vierte Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten kommt von Fr 24 - Sa 25 Februar 2012 zu ihrer zweiten Sitzung in Köln zusammen. Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Mitgliedern. Es sind noch Plätze frei. Wenn Sie auch dazu gehören möchten, bestellen Sie einfach das vollständige Informationsmaterial:http://www.strategiekreis-architekten.de/

Welche Unternehmeraufgaben haben Sie als freischaffender Architekt?

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Volker Eich: Tür. Berlin 2012.

Als Unternehmer-Architekt haben Sie drei Aufgeben, die für eine strategische Unternehmensführung unverzichtbar sind.

Ihre erste Aufgabe besteht darin, eine Strategie zu entwickeln, mit der Sie Ihr Architekturbüro konkurrenzlos im Markt positionieren. Der Unternehmenszweck Ihres Architekturbüros ergibt sich aus Ihrer unternehmerischen Mission. Die meisten Architekten sind sich aber ihrer tieferen Beweggründe gar nicht bewusst. Es wäre jedoch falsch zu glauben, eine strategische Unternehmensführung sei erst dann möglich, wenn Ihre unternehmerische Mission schwarz auf weiß formuliert ist.

Vielmehr ist es so, dass Ihre tägliche Arbeit darin besteht, sich auf die Suche nach Ihrem ureigensten Anliegen (jenseits der Architektur) zu machen, sich kontinuierlich selbst zu befragen und zu der einen großen Sache vorzudringen, zu der Sie sich berufen fühlen. Auf diesem Wege erreichen Sie das Geschäftsfeld, das Ihnen den größten Erfolg verspricht.

Ihre tägliche Unternehmerarbeit der Strategieentwicklung besteht darin, einen definierten Kundenkreis zu erschaffen, der auf der Basis gemeinsamer Werte ein Interesse daran hat, Ihr Architekturbüro zum Marktführer in seiner Nische zu machen. Als Unternehmer entwickeln Sie Innovationen, mit denen Sie Ihr Architekturbüro unabhängig von der Konkurrenz und von der Konjunktur machen. Es ist Ihre Aufgabe als Unternehmer-Architekt, die Anziehungskraft  Ihres Architekturbüros zu erhöhen und Ihren Kundenkreis zu einer attraktiven Community zu machen, der Nicht-Kunden gerne angehören wollen.

Ihre Strategie ist die mentale Software, mit der Sie alle Aktivitäten Ihres Unternehmens steuern und mit der Sie Ihr Architekturbüro an den Platz im Markt navigieren, der Ihnen den größten Erfolg verspricht. Je genauer Sie Ihre Mission, Ihr Geschäftsfeld, Ihren Kundenkreis, seinen Bedarf und Ihre Innovation definieren, um so wahrscheinlicher ist Ihr unternehmerischer Erfolg. Die Kunst der Strategieentwicklung besteht darin, Ihre unternehmerische Mission in konkrete Ziele zu übersetzen und Wege zu finden, auf denen Sie diese Ziele erreichen.

Ihre zweite Aufgabe, die Unternehmensentwicklung besteht darin, Ihr Architekturbüro zu einem Unternehmen zu machen, das der Erfüllung Ihrer unternehmerischen Mission dient. Ihr Architekturbüro ist sozusagen das Fahrzeug, mit dem Sie die jeweiligen Ziele Ihrer unternehmerischen Reise ansteuern. Allerdings entwickelt sich Ihr Unternehmen genau so wenig von selbst, wie sich ein Haus ohne Planung selbst erbaut. So wie ein Bauwerk eine qualifizierte Planung braucht, so braucht auch ein funktionierendes Architekturbüro ein dynamisches geistiges Konzept. Der Entwurf und die konzeptionelle Planung Ihres Architekturbüros, das Business Design ist Ihre zweite Unternehmeraufgabe.

Ihre dritte und vornehmste Aufgabe besteht darin, Ihre eigene Persönlichkeit kontinuierlich zu reflektieren und zu entwickeln, denn sie ist die Quelle Ihres Erfolgs. Die Geschichte Ihres Architekturbüros ist ein Teil Ihrer eigenen Geschichte und je besser Sie den roten Faden Ihrer eigenen Geschichte kennen, um so klarer haben Sie Ihre (unternehmerische) Zukunft vor Augen.

Oft handeln wir aus Beweggründen, die uns vollkommen unbewusst sind und die Resultate unseres eigenen Verhaltens sind dann nicht immer diejenigen, die wir uns wünschen. Je bewusster wir handeln, um so mehr Einfluss haben wir auf die Ergebnisse unseres Handelns. Mit anderen Worten, je genauer Sie sich selbst kennen, um so leichter erreichen Sie das, was Sie erreichen wollen.

Die Reflexion der eigenen Persönlichkeit dient vor allem der kritischen Betrachtung Ihrer Glaubenssätze, Ihrer Überzeugungen und Meinungen. Denn einzig und allein das, was Sie denken, sei es bewusst oder unbewusst, definiert die Grenzen dessen, was in Ihrem Leben möglich ist. Je größer Ihre Bereitschaft ist, die Grenzen Ihres Denkens zu überwinden, um so besser funktionieren Ihre emotionalen Navigationssysteme.

Es sind nämlich Ihre Gefühle, die Ihnen sagen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind. Wenn Sie ein attraktives Ziel vor Augen haben, sagt Ihnen Ihr Gefühl, dass Sie sich darauf zu bewegen sollen. Wenn Ihnen eine Gefahr droht, sagt Ihnen Ihr Gefühl, dass Sie sich davon entfernen sollen. Ihre Gefühle bestimmen die Richtung Ihrer Bewegungen. Man nennt sie deshalb eMotionen, zusammengesetzt aus den lateinischen Worten ex = aus und motio = Bewegung oder Erregung, was soviel bedeutet wie innere Bewegung.

Für viele Menschen sind ihre Gefühle Tabu, denn sie haben gelernt, ihre Gefühle vor sich selbst und vor anderen zu verschweigen. Dies gilt insbesondere in einem Business-Kontext. Die Worte, mit denen sie ihre Gefühle zum Ausdruck bringen möchten, liegen in den Tiefen ihres Unbewussten verschlossen hinter einer verbotenen Tür. Als Unternehmer haben Sie die Aufgabe, diese verbotene Tür zu öffnen, denn bei dieser Tür handelt es sich um den Zugang zu Ihrer unternehmerischen Mission.

Ihre Mission ist eine zutiefst emotionale Angelegenheit. Je vertrauter Sie mit Ihren Gefühlen sind, um so deutlicher vernehmen Sie Ihren inneren Ruf. Je weiter Sie Ihrer Berufung folgen, um so tiefer wurzelt Ihre Motivation. Je besser es Ihnen gelingt, im Einklang mit Ihren Gefühlen zu handeln, um so sicherer navigieren Sie durch die Widrigkeiten Ihres unternehmerischen Alltags.

In einem meiner nächsten Beiträge erfahren Sie, wie Sie die Quelle Ihres Erfolgs öffnen, wie Sie über sich selbst hinauswachsen und wie Sie das Elixier empfangen, mit dem das Wagnis Ihrer unternehmerischen Expedition belohnt wird.

In meinem nächsten Beitrag geht es um die Frage, welche Rolle Ihr Qualitätsmanagement im Rahmen Ihrer Unternehmensentwicklung spielt.

Bis dahin wünsche ich Ihnen frohes Schaffen!

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich 

 

Welche 3 Rollen haben Sie als freischaffender Architekt?

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Volker Eich: Metaposition. Kassel 2007.

(nach: Harun Farocki: DEEP PLAY. documenta 12)

Das so genannte Freiberuflerproblem besteht darin, dass Architekten glauben, es gebe nur eine einzige Möglichkeit um Geld zu verdienen. Indem sie die fachliche Arbeit selbst erledigen. Zum Glück handelt es sich dabei lediglich um eine Überzeugung, die man keineswegs mit der Wirklichkeit verwechseln darf. Wie wir wissen, erschafft jede Überzeugung auf dem Wege der selbsterfüllenden Prophezeiung genau die Wirklichkeit, welche ihre angenommene Wahrheit beweist. Und obwohl es sich nur um einen Glaubenssatz handelt, bewirkt dieser verhängnisvolle Aberglaube eine harte Realität: die Arbeitsleistung Ihres Architekturbüros ist von Ihrer eigenen Arbeitsleistung abhängig, sie ist nicht in eine andere Größenordnung skalierbar und somit ist Ihr wirtschaftlicher Erfolg systembedingt von vorne herein begrenzt.

Es ist offensichtlich, dass Sie sich aus dieser Falle nicht durch mehr Arbeit befreien können. Wenn Sie sich vom Freiberuflerproblem lösen wollen, brauchen Sie ein anderes System. Sie brauchen ein Unternehmersytem.

Während der Freiberufler in der Rolle des Mädchen-für-alles gefangen ist, basiert ein Unternehmersystem auf einem differenzierteren Selbstbild. Es unterscheidet zwischen drei verschiedenen Rollen, die der Unternehmer-Architekt inne hat.

Sie sind Unternehmer.

Sie sind Manager.

Sie sind Fachkraft.

Das Wissen um Ihre Rollen ist die Voraussetzung um überhaupt strategiefähig zu sein. Der Erfolg Ihres Architekturbüros hängt davon ab, wie Sie das Verhältnis Ihrer drei Rollen gestalten.

Als Fachkraft sind Sie dafür verantwortlich, dass die eigentlichen Aufgaben Ihres Architekturbüros erledigt werden. Sie führen die Projektarbeit durch. Sie erwerben kontinuierlich Fachwissen sowie branchenspezifisches Know-How aus Ihrer Zielgruppe. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, Innovationen zu entwickeln, welche die Position Ihres Architekturbüros im Markt sichern.

Als Manager sind Sie für die Büroleitung und für die Projektleitung verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass Ihr Büro als Organisation funktioniert und Sie organisieren alle Prozesse, die zur Erledigung der fachlichen Aufgaben notwendig sind. Sie sind für gelingende Kundenbeziehungen verantwortlich, Sie organisieren die Verwaltung Ihres Architekturbüros und Sie führen das Personal.

Als Unternehmer haben Sie die Aufgabe Ihr Architekturbüro konkurrenzlos im Markt zu positionieren und seinen Lebenszyklus über Ihre eigene Lebenszeit hinaus zu verlängern. Ihre zentralen Aufgaben bestehen darin, eine nachhaltige Strategie zu entwickeln, Ihr Architekturbüro zu einer funktionierenden Organisation zu machen und Ihre eigene Biographie zu einer guten Geschichte zu machen.

Alle drei Rollen betrachten dieselbe Sache aus ganz verschiedenen Perspekiven. Die Fachkraft hat eine kurzfristige Perspektive, weil sie für das Alltagsgeschäft verantwortlich ist. Ihr Zeithorizont ist von der Fertigstellung des jeweils aktuellen Projekts bestimmt. Der Manager hat eine mittelfristige Perspektive, weil er Prozesse organisiert, die in allen Projekten des Büros regelmäßig wiederkehren. Der Unternehmer hat eine langfristige Perspektive, denn er ist dafür verantwortlich, dass sich das Büro in einem sich wandelnden Markt dauerhaft behaupten kann und dass sein Lebenswerk über seine eigene Lebenszeit hinaus Bestand hat.

Als Fachkraft und als Manager arbeiten Sie IM Unternehmen – als Unternehmer arbeiten Sie AM Unternehmen. Diese Unterscheidung geht auf Michael E. Gerber zurück. Er hat das Erfolgsgeheimnis eigentümergeführter Unternehmen in eben dieser Unterscheidung entdeckt. Sein Buch heißt Das Geheimnis erfolgreicher Firmen. Warum die meisten kleinen und mittleren Unternehmen nicht funktionieren und was Sie dagegen tun können. Die Geschichte, die er darin erzählt, können Sie 1:1 auf jedes Architekturbüro übertragen.

Stefan Merath, der die Arbeit von Gerber weitergeführt hat, schreibt in seinem Buch Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer, jeder Freiberufler müsse sich irgendwann einmal entscheiden, ob er Freiberufler oder Unternehmer sein will. Für den Unternehmer-Architekten sind die Tätigkeiten der Fachkraft demnach tabu.

Für einen freischaffenden Architekten ist diese Forderung natürlich nicht realistisch, denn Sie sind wahrscheinlich Architekt geworden, weil Sie etwas gestalten wollen. In der Rolle des entwerfenden Architekten spüren Sie wahrscheinlich am stärksten, warum Sie Architekt sind und möglicherweise fühlen Sie sich in der Rolle der Fachkraft am wohlsten. Sie stellt das größte Kapital Ihres Unternehmens dar, denn in dieser Rolle kommt Ihre ganze kreative Kraft zum Ausdruck.

Gleichzeitig ist die Rolle der Fachkraft aber auch die größte Gefahr für die Existenz Ihres Architekturbüros, denn je mehr Zeit Sie mit Facharbeit verbringen, um so weniger Zeit bleibt Ihnen für Ihre unternehmerischen Aufgaben. Und genau dieser Widerspruch ist die entscheidende Hürde, die Sie nehmen müssen, um Ihr Büro von der Gründungsphase in die Wachstumsphase zu bringen.

Konkret heißt das, dass Sie den größten Teil Ihrer Facharbeit an Ihre Mitarbeiter delegieren und mindestens 50% Ihrer Arbeitszeit für Ihre Unternehmeraufgaben reservieren. Eine solche Rollenverteilung herbeizuführen ist keine leichte Aufgabe. Im Gegenteil, Ihre Überzeugungen – „Für Unternehmeraufgaben habe ich keine Zeit.“ „Am besten macht man alles selbst.“ - werden Sie immer wieder in die gewohnten Bahnen zurückholen. Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer ist nicht immer ein leichter Weg. Stefan Merath hat die Schwierigkeiten, die Ihnen dabei begegnen, ausführlich beschrieben und er hat gezeigt, wie Sie diese Schwierigkeiten überwinden. Ich möchte Ihnen sein Buch deshalb wärmstens ans Herz legen.

Die Rolle des Unternehmers ist mit der Rolle eines Fußballtrainers vergleichbar. Der bewegt sich auch nicht selbst auf dem Spielfeld, sondern er betrachtet das Spiel von außen. Gleichzeitig hat er den Kontext im Blick, in dem das jeweilige Spiel stattfindet, sei es die Bezirksliga, die Bundesliga oder die Weltmeisterschaft. Wenn man sich als Spieler selbst auf dem Spielfeld befindet, verliert man im Eifer des Gefechts sehr schnell den Blick für das große Ganze. Die Spieler und der Coach haben vollkommen unterschiedliche Aufgaben. Während die Spieler dafür sorgen, dass sich der Ball in die richtige Richtung bewegt, versorgt der Coach seine Mannschaft mit einer übergeordneten Spielstrategie.

Als Unternehmer bekleiden Sie eine ähnliche Rolle wie der Fußballcoach. Damit der Schritt von der Gründungsphase in die Wachstumsphase eines Architekturbüros gelingt, ist es unabdingbar, das ganze System von außen zu betrachten. Sie betrachten das Geschehen in Ihrem Unternehmen aus einer übergeordneten Metaposition.

Auf der documeta 12 wurde die Videoinstallation Deep Play von Harun Farocki gezeigt. Sie zeigt das Endspiel der Fußball-WM 2006 aus unterschiedlichen simultanen Wahrnehmungspositionen parallel auf zwölf Monitoren. Zwei der Bildschirme zeigen jeweils den Trainer einer Mannschaft, wie er das Spiel verfolgt. Dem Bild üb!erlagert ist eine computergenerierte dynamische Abstraktion des Spielflusses – also die abstrakte Verlaufsstruktur des Spielgeschehens, wie sie der Coach simultan in seiner Vorstellung sieht. Als Unternehmer tun Sie genau dasselbe: In Ihrem Kopf befindet sich ein Plan, der im Gegensatz zu herkömmlichen Architektenzeichnungen in stän!diger Bewegung ist.

Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie in den 1970er Jahren der Umweltschutz Eingang in das kollektive Bewusstsein der westlichen Zivilisation fand. Ein Jahrzehnt zuvor hatten wir die ersten Fotografien der NASA gesehen, auf der die Erde als Ganzes sichtbar wurde. Diese Bilder haben einen tiefgreifenden Einfluss auf uns ausgeübt. Sie haben uns vor Augen geführt, dass der Planet, dem wir unser Leben verdanken, ein fragiler, lebendiger Organismus ist. Je tiefer diese Einsicht in unser Bewusstsein dringt, um so mehr stellt sich die Frage, wie weit wir mit unserem eigenen Handeln zur Bewahrung der Schöpfung beitragen.

Es ist der Blick auf das große Ganze, der das Bewusstsein von der eigenen Situation erweitert. Er macht Zusammenhänge deutlich, eröffnet Möglichkeiten und er erweitert das eigene Handlungsrepertoire. Während Sie sich als Manager und als Fachkraft um das operative Geschäft Ihres Architekturbüros kümmern, konzentrieren Sie sich als Unternehmer auf Ihre strategischen Aufgaben. Was genau werden Sie tun, wenn Sie Ihre Facharbeit an Ihre Mitarbeiter abgegeben haben?

Was sind Ihre Unternehmer-Aufgaben?

Lesen Sie die Antwort in meinem nächsten Beitrag.

Bis dahin wünsche ich Ihnen frohes Schaffen!

Herzliche Grüße

Ihr Volker Eich

Gerber, Michael E.: Das Geheimnis erfolgreicher Firmen. Warum die meisten kleinen und mittleren Unternehmen nicht funktionieren und was Sie dagegen tun können. ISBN: 395015180X

Merath, Stefan: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer. Wie Sie und Ihr Unternehmen neue Dynamik gewinnen. Offenbach 2009 (Gabal)

Die durchgängige Verwendung der Berufsbezeichnung „Architekt“ in ihrer männlichen Sprachform betont die Unterscheidung zwischen der beruflichen Rolle und der Person, die diese Rolle verkörpert. „Der Architekt“ oder „der Unternehmer“ etc. meint also nicht Männer und Frauen als Person sondern bezeichnet immer ihre berufliche Rolle.