Wie öffnen Sie die Quelle Ihres Erfolgs?
wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder,
so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!
MATTHÄUS 18,3
Der Unternehmer in Ihnen ist ein Kind. Es spricht einiges dafür, dass Sie Ihre Berufswahl - bewusst oder unbewusst - getroffen haben, als Sie noch ein Kind waren. Die meisten Architekten, denen ich bisher begegnet bin, haben in ihren frühen Jahren eine seelische Verletzung erfahren und oft beschließen sie durch ihre Arbeit die Wunde zu heilen, die ihnen zugefügt wurde. Der Ursprung ihrer Mission ist ihnen aber meistens nicht bewusst.
Das Kind, das Sie einmal waren, wohnt als inneres Bild in Ihnen und es stellt sich die Frage, ob Sie diesem inneren Kind die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient. Wenn es Ihnen heute schwerfällt, Ihre unternehmerische Mission zu erkennen, so könnte es daran liegen, dass Ihnen nicht mehr in allen Einzelheiten bewusst ist, welcher Weg hinter Ihnen liegt. Möglicherweise waren Sie in Ihren jungen Jahren gezwungen, sich an die Erwartungen Ihrer Umgebung anzupassen. Vielleicht war es Ihnen nicht möglich, das Kind zu sein, das Sie gerne gewesen wären. Sie haben gelernt, die Erwartungen Ihrer Umgebung zu bedienen und bei dieser großartigen Anpassungsleistung haben Sie den Kontakt zu sich selbst verloren. Wenn ich einen Architekten nach seiner unternehmerischen Mission frage, können die wenigsten diese Frage beantworten.
Vielleicht haben auch Sie gelernt, der Stimme Ihres Herzens zu misstrauen. Das Kind in Ihnen ist verletzt, weil seine Einmaligkeit nicht erwünscht war. Ich bin nicht gut genug. Es hat sich in sich selbst zurückgezogen, denn es hat Angst erneut verletzt zu werden.
Steve Jobs, der Gründer von Apple hat Zeit seines Lebens darunter gelitten, dass er seinem leiblichen Vater nie begegnet ist. Seine Eltern hatten ihn zur Adoption frei gegeben. Ich bin nicht gut genug. Sein unternehmerisches Genie hat den privaten Steve Jobs nicht davor bewahrt den Weg des Leidens zu verfolgen. Genie entsteht oft aus einer großen Wunde. Und anstatt unsere seelischen Wunden zu heilen, verletzen wir sie immer wieder mit einer zutiefst selbstzerstörerischen Überzeugung. Ich bin nicht gut genug. Anstatt sich seine Verletzung einzugestehen hat Steve Jobs seinen seelischen Schmerz kompensiert. Er war überzeugt ein Auserwählter zu sein. Er fühlte sich dazu berufen, die Welt zu verändern und er glaubte, es sei ihm deshalb erlaubt, die Menschen seiner Umgebung zu terrorisieren. Beides ist ihm mit großem Erfolg gelungen. Jobs gilt als einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit und manche gehen gar so weit, ihn den Leonardo des 20. Jahrhunderts zu nennen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Steve Jobs im Restaurant seines Vaters zu Gast war und dass es weder dem Vater noch dem Sohn bewusst war, wen sie vor sich hatten. Als seine Schwester den leiblichen Vater ausfindig gemacht hatte, verweigerte sich der Sohn einem Wiedersehen. Die Anmaßung sich über seinen leiblichen Vater zu erheben hat eine tiefe Spaltung seiner Persönlichkeit bewirkt. Während der öffentliche Steve Jobs epochemachende Erfolge feierte, hat sich der private Steve Jobs immer mehr in einem Feld krankhafter Realitätsverzerrung verloren. Viele, die ihn kannten, haben sein unternehmerisches Genie verehrt und sie haben ihn gleichzeitig für seinen ungezügelten Egoismus gehasst. Im Alter von 56 Jahren ist er an Krebs gestorben.
Wenn der Ursprung Ihrer unternehmerischen Mission eine seelische Verletzung ist, dann haben Sie wahrscheinlich eine natürliche Abneigung dagegen, dorthin zurückzukehren. Das ist verständlich. Die größte Herausforderung, die vor Ihnen liegt, besteht darin, diese Abneigung zu überwinden.
Das Kind, das Sie einmal waren, trägt einen Traum in seinem Herzen. Das Kind in Ihnen ist genial. Es schäumt über vor schöpferischer Energie und es will spielend die Welt erobern. Es verfügt über eine natürliche Weisheit, die den meisten Erwachsenen abhanden gekommen ist und die Stimme seines Herzens ist die einzige Autorität, der es vertraut.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege, die zum Erfolg führen. Der Weg der Liebe führt durch Kooperation zum Erfolg. Der Weg der Angst führt auf Kosten anderer zu einem Erfolg. Für letzteren ist in der Regel ein hoher Preis zu zahlen. Ihre Integrität und Ihre Gesundheit stehen auf dem Spiel. Wenn Sie ein erfolgreicher Unternehmer und ein glücklicher Mensch sein wollen, sind Sie gefordert, sich Ihrer Angst zu stellen um die überwältigende Erfahrung zu machen, dass Sie sehr wohl gut genug sind.
Indem Sie sich an die ungeliebten Erfahrungen Ihrer Kindheit und Jugend erinnern, werden Sie wieder für die große Sache empfänglich, die Sie in Ihrem Herzen tragen. Indem Sie sich auf Ihren Traum besinnen, entdecken Sie den Sinn Ihres Lebens. Indem Sie sich daran erinnern, wer Sie in Ihrer Kindheit waren, öffnen Sie die Quelle Ihres Erfolgs. Wenn Sie Ihren Weg mit Liebe gehen, wird er Sie früher oder später in die Position des Marktführers führen.
Die gegenseitige Wechselwirkung zwischen persönlicher Integrität und äußerem Reichtum wird praktisch in allen Geschichten der Menschheit besungen. Bei der Struktur der Heldenreise scheint es sich um ein kosmisches Gesetz zu handeln, das die Einheit von innerem und äußerem Reichtum beschreibt.
Parzival wandelt sich von einem unwissenden Muttersöhnchen im Narrenkleid zu einem edlen Ritter, der schließlich seinen Platz als Gralskönig einnimmt. Wolfram von Eschenbach stellt den Gral wie ein Tischleindeckdich dar, das Speisen und Getränke im Überfluss hervorbringt, sobald der Held die Prüfung seines Lebens bestanden hat. Diese Prüfung besteht darin, dass Parzival den siechen König Anfortas von seinem Leid befreit, indem er die erlösende Frage ausspricht. Oheim, was wirret Dir? - Was fehlt Euch, mein König?
Indem Parzival zu dieser einen Frage vordringt, erlöst der Held den kranken Mann von seinem Leid und er erlöst sich selbst von seiner kindlichen Unbewusstheit. Die Evolution seiner eigenen Persönlichkeit führt den Helden zu seinem Mitgefühl. Parzival findet zu seiner Liebe. Das Vermögen des inneren Erlebens ist das Ziel der Schatzsuche, das wie durch ein Wunder auch in der äußeren Welt zu materieller Fülle führt.
Indem wir unsere eigene Wahrheit finden, bewirken wir unsere Transformation. Doch die eigene Wahrheit befindet sich meistens hinter einer verbotenen Tür. Die Wahrnehmung der eigenen Person scheint ein Tabu zu berühren, weil die Beschäftigung mit sich selbst als egoistisch gilt. Die Buchtitel der Schweizer Psychoanalytikerin Alice Miller illustrieren diese Einschätzung in aller Deutlichkeit: Du sollst nicht merken (1981), Am Anfang war Erziehung (1980), Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst (1979).
Anpassung wird in unseren Schulen und Universitäten nach wie vor belohnt und unsere Pädagogik hat bis heute noch kein Instrumentarium etabliert, das die eigene Kreativität und Beziehungsfähigkeit fördert, - von Unternehmertum ganz zu schweigen. Die meisten von uns haben gelernt, die Beschäftigung mit sich selbst sei eigennützig und daher verwerflich. In Wahrheit ist es so, dass Sie offener für andere werden, je besser Sie sich selbst kennen. Wenn Sie den roten Faden Ihrer Geschichte entdecken wollen, müssen Sie das Bild, das Sie sich von sich selbst gemacht haben, aufgeben. Wenn Sie zu Ihrer eigenen Wahrheit vordringen wollen, öffnen Sie die verbotene Tür.
Letztlich sind wir hier,
weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet,
ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben,
gibt es keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden,
kann er weder sich selbst noch andere erkennen –
er wird allein sein.
HILDEGARD VON BINGEN
Wenn Architekten scheitern, liegt das meistens daran, dass sie sich nicht richtig einschätzen können. Sie neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen oder sich selbst zu überschätzen. Um unsere eigene Einmaligkeit zu entdecken brauchen wir (einen) Dialogpartner. Genau wie wir einen Spiegel brauchen um unser leibliches Abbild zu erkennen, so brauchen wir ein Gegenüber, in dem wir erkennen können, wer wir sind. Aus diesem Grund habe ich die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten ins Leben gerufen.
Die Idee ist einfach. Mitbewerber werden zu Verbündeten. Das Netzwerk besteht aus mehreren Strategiekreisen. Die Mitglieder sind freischaffende Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsplaner. Jede Unternehmerwerkstatt hat mindestens sechs Mitglieder. Wenn mehr als zwölf Mitglieder teilnehmen wollen, wird ein neuer Strategiekreis gegründet. Damit die unmittelbaren Mitbewerber ausgeschlossen bleiben, entscheiden die Mitglieder selbst, wer dazu gehört und wer nicht. Die Mitglieder kommen alle sechs Monate zu einem zweitägigen moderierten Workshop zusammen um gemeinsam ihre Strategieentwicklung, ihre Unternehmensentwicklung und ihre Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben.
Alle Mitglieder des Netzwerks haben ihre Geschäftsentwicklung seit ihrem Eintritt deutlich verbessern können. Als wertvoller Zusatznutzen ergeben sich interessante Kooperationsmöglichkeiten. Die erste Veranstaltung hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Die Mitglieder haben sich mutig auf ihre heikelsten Themen eingelassen und sind einander mit großem Respekt begegnet.
Mir fiel wieder die Szene am Strand ein. Am Ende meiner Architektenlaufbahn war ich nach Lanzarote gereist. Ich saß mit ein paar Bekannten am Strand. Der Himmel war blau und ich spürte den warmen Wind auf meiner Haut. Wir sprachen über Dinge, die uns in unserem Innersten bewegen. Es war ein offenes und ehrliches Gespräch, wie ich es selten zuvor unter Männern erlebt hatte. Ich spürte, dass mein Wort hier etwas galt, dass wir einander zuhörten und dass wir einander verstanden ohne uns gegenseitig verändern zu wollen. Während die anderen redeten, dachte ich im Stillen: So muss sich Arbeit anfühlen! Das war der Moment, in dem die Idee für die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten geboren wurde.
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie
Und grün des Lebens goldner Baum.
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
Das strategische KnowHow, das Sie besitzen, ist die eine Sache – doch der freundschaftliche Dialog mit den anderen Architekten-Kollegen ist der Nährboden, auf dem die Saat aufgeht. Der eigene Büropartner ist nicht immer der geeignete Partner für einen solchen Dialog. Er hat wahrscheinlich denselben blinden Fleck wie Sie selbst.
Die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten funktioniert wie ein Spiegel. Sie profitieren von dem Phänomen, dass man für die Probleme anderer meistens leichter eine Lösung als für die eigenen Probleme findet. Genauso erkennt man die Qualitäten der anderen meistens leichter als die eigenen.
Im Dialog mit anderen Menschen erkennen wir die Grenze zwischen Ich und Nicht-Ich. Der Teil unseres Verhaltens, der von unserer Umgebung akzeptiert wird, wird auch von uns selbst als Teil unseres Selbstbilds integriert und er wird zu einem Teil unseres Ichs. Den anderen Teil unseres Verhaltens, der von unserer Umgebung nicht akzeptiert wird, verbannen wir in das Gefängnis unserer Glaubenssätze. Er lebt hinter einer verbotenen Tür und er wird zu unserem Schatten.
Unglücklicherweise beinhaltet der ungeliebte Teil unserer Persönlichkeit in der Regel all das, was unsere Einmaligkeit ausmacht. Je stärker wir in der Vergangenheit gezwungen waren uns an die Erwartungen unserer Umgebung anzupassen, um so deutlicher vernehmen wir wahrscheinlich später einen inneren Ruf, der uns dazu auffordert, die verbotene Tür zu öffnen. Solange wir von unserer Einmaligkeit abgeschnitten sind, leben wir gefährlich, denn sobald wir versuchen so zu sein wie alle anderen, verstricken wir uns in Konkurrenz.
Die Sehnsucht nach der eigenen Einmaligkeit wird oft mit dem Wunsch verwechselt, jedes Problem alleine lösen zu können. Wie Sie wahrscheinlich aus eigener Erfahrung wissen, entpuppt sich dieser Wunsch mit der Zeit als ein Fluch. Sie finden sich in einem Hamsterrad von stetig wachsenden Anforderungen wieder, Sie werden Ihr eigener Sklave und viele Ihrer Berufskollegen haben nicht die geringste Chance, die Aussichtslosigkeit Ihrer Situation überhaupt nur zu erkennen, weil Sie kein Gegenüber haben, das sie mit ihrer Wahrheit konfrontiert.
Viele Architekten reden sich ihre Situation schön. Manche romantisieren die Einsamkeit, in die sie sich innerlich zurückgezogen haben, mit der Legende vom einsamen Wolf. Sie übersehen dabei die bekannte Tatsache, das Wölfe im Rudel leben und in einem ausbalancierten Sozialsystem zu Hause sind, in dem jedes Mitglied seinen Platz einnimmt.
Kreative Menschen beziehen ihre ganze Kreativität oft aus der inneren Einsamkeit, in die sie sich zurückziehen. Manchmal reicht eine einzige Situation, die das ganze spätere Leben prägt. Vielleicht haben sie Gleichgültigkeit oder Ablehnung statt der erwarteten Anerkennung erfahren, als sie sich einmal in ihrer ganzen Einmaligkeit gezeigt haben. Sie haben ihre Einmaligkeit mit Einsamkeit verwechselt und sie suchen die Einsamkeit immer wieder um ihre Einmaligkeit zu erfahren. Ihr Glück im Unglück liegt darin, dass sich ihre Kreativität in der Einsamkeit ganz glänzend entwickelt. Der Fluch besteht allerdings darin, dass sie ihre Einmaligkeit nicht mehr von ihrer Einsamkeit unterscheiden können.
Wenn Sie Ihre Wahrheit entdecken wollen, müssen Sie einen Preis zahlen. Sie müssen Ihre Komfortzone verlassen. In Ihrer Komfortzone ist nämlich keine Entwicklung möglich. Im Klartext: Sie müssen das Bild, das Sie sich von sich selbst gemacht haben, opfern. Indem Sie sich durch die Augen anderer Menschen betrachten, erkennen Sie sich selbst.
Nach dem Heldenprinzip scheint es ein unumstößliches Gesetz zu geben, das besagt, dass der Held nur durch die Unterstützung seiner Verbündeten in die Lage versetzt wird, die verbotene Tür zu öffnen und zu seiner Einmaligkeit vorzudringen. Das Gelingen einer jeden Heldenreise beruht darauf, dass der Held die Unterstützung anderer Menschen akzeptiert. Sie begleiten ihn, wenn er sich seiner größten Angst stellt. Sie unterstützen ihn die gefährlichsten Prüfungen zu bestehen und sie ermöglichen ihm über sich selbst hinauszuwachsen.
Wenn Sie in Ihrem Leben wirklich etwas ändern wollen, brauchen Sie einen Dialogpartner. Wenn Sie in der Vergangenheit nicht die Menschen gefunden haben, die Sie in Ihrer ganzen Größe, Schönheit und Einmaligkeit gespiegelt haben, so können Sie diese Erfahrung heute nachholen. Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.
Die Mitglieder der Strategiekreise kommen in die Unternehmerwerkstatt, weil sie nirgendwo sonst einen kollegialen Austausch finden, in dem sie sich jenseits von eitler Selbstdarstellung und Konkurrenzgehabe so zeigen können, wie sie wirklich sind. Eine wesentliche Fähigkeit, die wir im Dialog entwickelt haben, ist das aktive Zuhören. Wir lesen zwischen den Zeilen und wir lauschen in das Unausgesprochene hinein. Wir kartieren die weißen Flecken auf unseren mentalen Landkarten. Wir interessieren uns für die aktuellen Probleme eines jeden Einzelnen. Von der Symptomebene aus gehen wir in die Tiefe. Wir finden heraus, was das jeweils zu Grunde liegende Kernproblem ist. Wir vertrauen darauf, dass jedes Problem seine Lösung in sich trägt. Je besser es uns gelingt, den Sinn eines Problems zu verstehen, um so leichter ist es, eine nachhaltige Strategie zu entwickeln.
Jedes Mitglied bekommt eine individuelle Beratung von allen anderen und jeder ist selbst in der Rolle des Beraters für alle anderen. Alle Mitglieder bringen die Bereitschaft mit sich gegenseitig zu unterstützen. Architekten, die normalerweise Konkurrenten sind, werden im Kontext einer Unternehmerwerkstatt zu Verbündeten. Die Kontinuität ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit, denn die Transformation passiert natürlich nicht über Nacht, sondern sie entfaltet sich im Laufe der Zeit.
In Ihrem Beruf gibt es sehr viele Menschen, die nach Anerkennung suchen und für viele Architekten ist die Suche nach Anerkennung oft ein heroischer Kampf. Die Erinnerung an schmerzhafte Erfahrungen wird meistens mit einem Tabu belegt und auf diese Weise in das Unbewusste verdrängt. Während eine bewusste Erinnerung nach Möglichkeit vermieden wird, verdichtet sich die ganze Erfahrung bei den Beteiligten zu einer unbewussten Überzeugung. Ich bin nicht gut genug. Das ist ein Grundmotiv, das in unzähligen Variationen und Geschichten immer wieder auftaucht.
Der Selbstzweifel ist vielen Menschen eigen, die im Beruf des Architekten arbeiten. Er ist die Quelle der Kreativität, die ständig nach Anerkennung sucht und er ist gleichzeitig auch der Ursprung einer Selbstbezogenheit, die von anderen Menschen sehr oft als Arroganz wahrgenommen wird. Wer ständig nach Anerkennung sucht, hat nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse seiner Kunden übrig. Die meisten Architekten interessieren sich viel mehr dafür, ein guter Architekt zu sein. Sie glauben, Sie werden immer mehr Anerkennung erfahren, je besser die architektonische Qualität ihrer Arbeit ist. Aber je stärker sie sich auf die Qualität ihrer Architektur zu konzentrieren, um so weiter entfernen sie sich von der Rolle des Unternehmers. Das Unternehmersein hieße ja, vom egoistischen in einen altruistischen Denkmodus zu wechseln. Wenn Sie im Dilemma des Selbstzweifels gefangen sind, stehen Ihnen drei Wege offen.
Erstens: Der Weg des Egoisten. Sie wollen sich auf Kosten Ihrer Kunden selbst verwirklichen. Sie machen Ihre Geschäfte auf Kosten anderer. Sie interessieren sich nur für Ihren eigenen Nutzen. Wenn Sie diesen Weg konsequent zu Ende gehen wollen, müssen Sie natürlich einen Preis dafür bezahlen. Meistens ist das eine Krankheit oder etwas Schlimmeres. Siehe Daidalos.
Zweitens: Der Weg des Leidens. Sie suchen die Verantwortung für Ihr eigenes Schicksal immer bei anderen. Sie sind ein Opfer des Marktes und Sie wollen gerettet werden. Die anderen haben immer die Schuld. Sie kleiden Ihren Vorwurf in das Gewand der Armut, der Krankheit oder Sie wählen eine Kombination aus beidem.
Drittens: Der Weg des Helden. Sie wissen, dass Sie auf der Welt sind um eine Aufgabe zu erfüllen, die niemand außer Ihnen selbst erledigen kann. Sie wachsen an den Herausforderungen, mit denen das Leben Sie konfrontiert. Sie vertrauen darauf, dass Ihrer Lebensgeschichte eine eigene Logik innewohnt und Sie wissen, dass Sie der Gesellschaft den wertvollsten Dienst erweisen, indem Sie sich in Ihrem Beruf auf das konzentrieren, was Sie am liebsten tun.
Die Mitglieder der Strategiekreise gehen mit den unterschiedlichen Erwartungshaltungen der anderen Mitglieder möglichst absichtslos um. Jeder der da ist, ist für alle anderen ein Spiegel. Unsere Aufgabe besteht darin, dem anderen zu zeigen, wer er ist. Welche Schlüsse er dann jeweils für sich daraus zieht, bleibt ihm selbst überlassen. Es hat sich gezeigt, dass diese Haltung ein gutes Klima für persönliches und unternehmerisches Wachstum schafft. Eine gute Lösung ist meistens sehr einfach.
Es stellt sich natürlich die Frage, wie man Anerkennung erfahren kann, wenn man seiner eigenen Geschichte nicht selbst mit Anerkennung begegnet. Wie kann man als Architekt erfolgreich sein, wenn man sich selbst nicht mit Liebe begegnet? Für viele Architekten ist das – bewusst oder unbewusst - die eigentliche Frage bei der Suche nach Anerkennung.
Das klingt ziemlich esoterisch und genau das ist es auch. Wenn sie mit einer exoterischen Sicht auf die Welt nicht mehr weiterkommen, ist der Blick nach innen angesagt, denn alle Ereignisse in der Welt haben ihren Ursprung in unseren Gedanken und in unseren Gefühlen. Der Begriff der Esoterik wird meistens in einer eher abwertenden Weise benutzt, weil er durch eine Flut von pseudo-esoterischen Angeboten in Verruf gebracht worden ist. Und gerade in der Business-Welt ist der Esoterik-Einwand meistens ein willkommener Vorwand um einer ehrlichen Selbst-Reflexion aus dem Wege zu gehen.
Die eigenen Schokoladenseiten zu lieben ist einfach. Wenn es aber darum geht, seine ungeliebten Seiten anzuerkennen, laufen wir lieber davon. Unser Ego, das wir gerne verharmlosend als inneren Schweinehund bezeichnen, widersetzt sich standhaft der Transformation der eigenen Persönlichkeit. Das eigene Ego ist der eigentliche Feind.
Man kann lernen, sich selbst zu lieben. Im Business scheint die Liebe aber ein Tabu zu sein. In der Kunst geht es immer um die Liebe. Deswegen machen wir mit der Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten eine Soziale Plastik. Indem wir die Kunst ins Business bringen, bringen wir auch die Liebe ins Business.
Die Soziale Plastik ist ein Begriff, den Joseph Beuys geprägt hat. Beuys hat die Gesamtheit der Gesellschaft als Kunstwerk angesehen und sein Erweiterter Kunstbegriff definiert das menschliche Handeln, das sich zum Wohle der Gesellschaft zur Verfügung stellt als Kunst. Innerhalb dieses gedanklichen Rahmens besteht die Aufgabe der Kunst darin, in allen Bereichen der Gesellschaft veraltete Lebensformen zu transformieren und auf ein höher entwickeltes Niveau zu bringen. Und weil jeder Mensch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken kann und durch sein eigenes Handeln zum Wohle der Gesellschaft beitragen kann, hat Beuys gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die wir kraft unserer Kreativität verwirklichen, sind das, was Beuys eine Soziale Plastik genannt hat.
Unsere Arbeit in den Strategiekreisen basiert auf der Beobachtung, dass jedem unternehmerischen Wachstumsschritt immer ein persönlicher Wachstumsschritt vorangeht. Deshalb steht die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Wir betrachten die eigene Biographie wie eine Heldenreise. Die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz, nach dem Gral oder dem Elixier ist die Suche nach der eigenen Einmaligkeit. Im Business-Deutsch würde man von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen, mit dem sich ein Unternehmer konkurrenzlos positionieren kann. Die eigene Transformation eröffnet einen Zugang in die Welt, der zunächst einmal verschlossen ist. Wer erkannt hat, was das Leben von ihm verlangt und wer sich seiner Herausforderung stellt, der gelangt in den Besitz des sagenhaften Elixiers. Er nimmt einen Platz in der Gesellschaft ein, den kein anderer einnehmen kann. Wer seine Einmaligkeit erkennt, ist konkurrenzlos.
Ich habe mein Architekturstudium zum selben Zeitpunkt begonnen, als Joseph Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf gefeuert wurde. Ich bin ihm leider nie begegnet. Ich habe das Konzept von der Sozialen Plastik erst zu einem Zeitpunkt kennengelernt, als ich es selbst schon praktiziert habe, obwohl mir der Begriff nicht bekannt war. Als ich den Beruf des Architekten aufgegeben habe, hatte ich das Gefühl gescheitert zu sein. Mein Gefühl des Scheiterns ist inzwischen einem Gefühl tiefer Dankbarkeit gewichen, denn auch wenn ich nie eine Kunstakademie besucht habe, genieße ich heute das Privileg jenseits des Kunstmarktes Kunst machen zu dürfen.
Die Kunst, die in den Strategiekreisen entsteht, können sie nicht kaufen. Sie können sie nicht im Museum ausstellen. Es gibt kein Publikum. Der Künstler ist mit dem Sammler identisch. Die Soziale Plastik entsteht in der Erfahrungswelt der Mitglieder. Die Beziehungen und die Prozesse, die sich zwischen den Mitgliedern eines Strategiekreises und ihrer Umwelt entfalten, sind das eigentliche Kunstwerk. Es entsteht im Verborgenen und es entfaltet seine Wirkung im gesellschaftlichen Leben. Wenn es eine transformative Kraft entwickelt, durchdringt es die gesamte Gesellschaft. Wir beraten einander nicht aus der Perspektive der Betriebswirtschaft oder des Marketing, sondern aus dem Geiste der Kunst. Das ist unsere Innovation.
In der Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten geht es um Transformationsprozesse, die sowohl die eigene wie auch die Biographie einer ganzen Gesellschaft zu einer guten Geschichte machen. Es geht darum sich selbst zu entdecken. Es geht uns um die innere Logik der eigenen Geschichte. Deshalb betrachten wir die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es geht um Evolution.
Wenn wir ein neues Mitglied in einem Strategiekreis aufnehmen, machen wir immer eine Vorstellungsrunde, in der jeder der Anwesenden sagt, warum er Mitglied in einem Strategiekreis ist und was er sich von seiner Mitgliedschaft erwartet. Bei einer unserer letzten Veranstaltungen sagte ein Mitglied, das schon seit fünf Jahren dabei ist: Ich bin hier, weil ich hier die Sprache finde. Damit hatte er exakt das zum Ausdruck gebracht, was ich im Sinn hatte, als ich die Unternehmerwerkstatt StrategiekreisArchitekten ins Leben gerufen habe. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem sich Architekten über das austauschen können, was sie in ihrem Innersten bewegt – ihre Mission. Wenn Sie auch dazu gehören wollen, nehmen Sie einfach Kontakt auf. Wir freuen und auf Sie.
Herzliche Grüße
Ihr Volker Eich









